Huntlosen Björn Meyer hatte schon immer ein Faible für Technik. Den ohrenbetäubenden Lärm im Maschinenraum seiner Biogasanlage kommentiert er begeistert mit den Worten: „Was für eine Kraft.“ Und was für eine Investition: 1,5 Millionen Euro haben die Meyers in die Anlage investiert, die Strom und Wärme produziert.

Der Meyer-Hof in Huntlosen (Kreis Oldenburg) ist bekannt für seine Fleisch- und Wurstwaren. Das Fleisch der eigenen Schweine (600 Mastplätze) und einiger Galloway-Rinder wird auf dem Hof in einer eigenen Fleischerei verarbeitet und direkt vermarktet – auf dem Bauernmarkt in Oldenburg und im eigenen Geschäft auf dem Hof. Das Futter kommt ebenfalls von den eigenen Feldern: auf 100 Hektar werden Getreide und Mais angebaut.

Stark schwankende Preise für Getreide waren der Auslöser bei Björn und seinem Vater Friedrich-Wilhelm Meyer, „die Erträge vom Acker wert bringender zu verwerten“, wie es der Junior ausdrückt. Außerdem wurde Bioenergie von der Politik stark propagiert – und gefördert. Dann kam auch noch Fukushima – und die Meyers bauten 2011 als zweites Standbein für den Hof ihre inzwischen 500-Kilowatt-Biogasanlage. Sie wird zu etwa zwei Dritteln mit Mais „gefüttert“ und zu einem Drittel mit der Schweinegülle. Die Anlage liefert je zur Hälfte Strom und Wärme.

Mit der Wärme werden die heißwasser-intensive Fleischerei versorgt und die Häuser und Ställe beheizt. Dafür wurden auf dem gesamten Hof Leitungen verlegt. In die Gräben kamen auch gleich Glasfaserleitungen, sodass der Hof nun komplett vernetzt ist. „Die Ferkel in den Ställen haben jetzt ein tolles Klima und fühlen sich im wahrsten Sinne des Wortes sauwohl“, schwärmt Björn Meyer. Und die Familie spart Heizkosten. „Nur bei starkem Frost reicht die Wärme nicht ganz“, erklärt Friedrich-Wilhelm Meyer.

Den Strom speisen die Meyers ins EWE-Netz ein. Hierfür bekommen sie 20 Jahre lang eine feste Vergütung. So konnte auch die Rentabilität der Investition und der Folgekosten (Wartung, Ersatzteile, Reparaturen) gesichert werden. „Die Rentabilität der Biogasanlage ist auf jeden Fall höher als die aus dem landwirtschaftlichen Bereich“, verrät Meyer senior.

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Einen Teil des eigenen Stroms produzieren die Meyers übrigens noch über eine eigene Photovoltaikanlage, die nicht ins EWE-Netz einspeist. Sie speist aber zum Beispiel die eigene Stromtankstelle, an der Björn Meyers Ehefrau Meike seit vier Jahren ihren Elektrowagen auflädt, mit dem sie täglich zur Arbeit nach Oldenburg fährt.

Ob die Meyers heute noch einmal in die Biogasproduktion einsteigen würden? Der Senior ist da zurückhaltend. Die Anlage ist sehr zeitaufwendig. „Jedes Mal, wenn sie sich nicht wohlfühlt, bekomme ich eine Meldung aufs Smartphone“, erzählt Björn Meyer. Das liegt daher auch nachts neben dem Bett. Neben der technischen Überwachung beklagt Friedrich-Wilhelm Meyer den Verwaltungsaufwand. „Alles muss genau dokumentiert werden. Das ist schon ein wahnsinniger Aufwand.“ Und nicht zuletzt sei die Euphorie der Politiker verflogen, was sich in gesenkten Einspeisevergütungen für neue Anlagen niederschlägt. „Unter den heutigen Vorzeichen wäre eine Biogasanlage wohl nicht mehr rentabel“, vermuten die Meyers.

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