Frankfurt/Haikou (dpa) - Der Deutschen Bank droht womöglich der Absprung ihres größten Aktionärs. Unbestätigten Medienberichten zufolge plant der hoch verschuldete chinesische Mischkonzern HNA, seinen Anteil an Deutschlands größtem Geldhaus komplett zu verkaufen.

Die Spekulationen setzten am Freitag die Aktie der Deutschen Bank unter Druck. Ihr Kurs fiel zeitweise bis auf 9,552 Euro und auf den tiefsten Stand seit Mitte Juli, erholte sich dann aber wieder.

"Wir kommentieren solche Marktgerüchte nicht", sagte ein HNA-Sprecher im chinesischen Haikou zu den Berichten. Auch die Deutsche Bank in Frankfurt wollte sich zunächst nicht äußern.

Neu sind die Sorgen um HNA nicht - schließlich hat der Konzern bei seiner weltweiten Einkaufstour in den vergangenen Jahren einen Schuldenberg angehäuft. HNA arbeitet derzeit daran, seine Geldnöte über milliardenschwere Immobilien- und Anteilsverkäufe zu lindern.

Den Berichten zufolge soll Druck der chinesischen Regierung der Grund für den angepeilten Schritt sein: Peking fordere, HNA solle sich auf das Fluglinien-Geschäft konzentrieren. Wann und wie der Ausstieg bei der Deutschen Bank erfolgen solle, sei aber noch unklar, hieß es in den Berichten unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen.

HNA war Anfang 2017 groß bei der Deutschen Bank eingestiegen und besaß zeitweise knapp unter zehn Prozent der Anteile. Laut jüngsten Angaben hält der Investor aus Fernost über den österreichischen Vermögensverwalter C-Quadrat derzeit noch 7,64 Prozent an Deutschlands größtem Geldhaus. Damit ist der Mischkonzern der größte Aktionär der Bank vor dem Emirat Katar und dem US-Vermögensverwalter Blackrock. Mit C-Quadrat-Gründer Gerd Alexander Schütz sitzt auch ein Vertreter der Chinesen im Aufsichtsrat des Dax-Konzerns.

Den Großteil der Anteile (6,63 Prozent) hat HNA bei der Schweizer Großbank UBS geparkt und über Finanzinstrumente abgesichert. Im Fall eines Verkaufs der Aktien sollten somit die negativen Auswirkungen auf den Kurs der Deutschen Bank begrenzt bleiben. Dennoch würde ein Ausstieg der Chinesen für weitere Unruhe bei dem Geldhaus sorgen, das nach drei Verlustjahren in Folge unter dem seit diesem April amtierenden Chef Christian Sewing den Umbau beschleunigen will.

Struktur und Finanzierung der HNA-Beteiligung an der Deutschen Bank standen von Anfang in der Kritik. Dass sich HNA mit Hilfe von Derivaten gegen Kursverluste absicherte, brachte den Chinesen den Vorwurf ein, die Deutsche Bank nur als Spekulationsobjekt zu sehen.

Zudem stand die Frage im Raum, ob sich HNA angesichts zahlreicher Übernahmen und Beteiligungen in diversen Branchen nicht übernommen habe. Aufseher fragten danach, wie sich der vor allem in der Touristik und Luftfahrt engagierte Konzern eigentlich finanziert und wer bei ihm die Fäden in der Hand hält.

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