Leer Kaum noch Qualm, deutlich leiser und weniger Vibrationen – Gäste der Helgolandfähre werden es bereits bemerkt haben: Etwas ist anders. Und das hat viel mit dem Flüssigerdgas LNG (Liquefied Natural Gas) zu tun.

Im Maritimen Kompetenzzentrum in Leer fand zum Thema „LNG-Anwendung in der Schifffahrt – Erfahrung aus der Praxis“ am Donnerstag ein Workshop statt. Dazu hatten die Mariko GmbH und FME (Niederlande) geladen.

Die Schifffahrtsbranche setze immer stärker auf umweltfreundliche Treibstoffe wie LNG, wünscht sich aber stärkere finanzielle Unterstützung. Vom Jahr 2020 an sollen weltweit bereits 1000 Schiffe LNG nutzen, schätzte Schifffahrtsexperte Achim Wehrmann vom Bundesverkehrsministerium. Derzeit sind etwa 80 LNG-Schiffe unterwegs. In deutschen Häfen sind diese derzeit noch die Ausnahme.

In einem Fachgespräch berichteten deutsche und niederländische Reederei- und Werftvertreter aus der See- und Binnenschifffahrt über ihre Praxis mit LNG. Zu seinen Erfahrungen mit den Fähren MS Ostfriesland und MS Helgoland gab Claus Hirsch von AG EMS Auskunft. Auch Robert Howe (bremenports), Gerd Wessels (Rederei Wessels), Gerhard Untiedt (Meyer Werft) sowie Ben Maelissa (Danser Group), Paul Melles (Rederij Doeksen) und Arie van der Ven (Chemgas Shipping B.V) waren vertreten.

Reedereien und die auf Kreuzfahrtschiffe spezialisierte Meyer Werft planen zwar Neu- oder Umbauten. Der Verband Deutscher Reeder und die maritime Wirtschaft fordern aber auch Anreize, um den LNG-Schiffbau anzukurbeln. Denn die Nachrüstung oder der Neubau ist sehr aufwendig und soll um 20 bis 30 Prozent höher liegen als bei herkömmlichen Motoren. Die Bundesregierung plant dazu ein Förderprogramm. Hier ein paar Fragen und Antworten zu dem Thema:

Welche Umweltschäden verursacht die Schifffahrt?

Die weltweite Handelsflotte verbraucht nach einer Studie pro Jahr rund 330 Millionen Tonnen Treibstoff. Davon sind 80 bis 85 Prozent hoch schwefelhaltig. Das sorgt für Probleme in Landnähe, vor allem in den Häfen.

Welche Alternativen zu Schweröl gibt es?

Neben Biogas, Biodiesel, Methanol, Landstrom und Wasserstoff werden dem Flüssigerdgas LNG die besten Aussichten zugerechnet. Dadurch könnten die Emissionen nach Schätzungen um bis zu 90 Prozent sinken. Für die neue Technologie setzt sich eine Initiative von Industrie, Reedereien und Häfen („Maritime LNG Plattform“) ein. Der Umweltverband Nabu sieht LNG jedoch nur als Übergangstechnologie und fordert die Hinwendung zu regenerativen Energiequellen.

Wie funktioniert das ­Flüssigerdgas LNG?

Das verflüssigte Erdgas wird auf eine Temperatur von minus 162 Grad Celsius heruntergekühlt. In dieser Form ist es nicht brennbar oder explosiv. Als Gas ist es weitaus geringer brennbar als Benzin.

Der Ausstoß von CO2 ist bis zu 25 Prozent und der von Stickoxiden um 80 Prozent niedriger als bei herkömmlichen Brennstoffen wie Schweröl oder Diesel. LNG verbrennt zudem schwefel- und rußfrei.

Wie sieht es mit der ­Infrastruktur aus?

Für die Schifffahrt sind spezielle Betankungsanlagen nötig. Die gibt es in Deutschland bislang nicht. Bis jetzt sind nur eine umgebaute Borkum-Fähre in Emden und eine neue Helgoland-Fähre mit LNG-Antrieb unterwegs.

Beide Schiffe werden regelmäßig mit einem speziellen Tanklastwagen aus den Niederlanden betankt. Der Bau einer Tank-Infrastruktur ist aber derzeit nicht absehbar.

Welche weiteren Schiffe fahren künftig mit LNG?

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Der Bund hat für 114 Millionen Euro das Behördenschiff „Atair“ in Auftrag gegeben. Eine Reederei in Haren an der Ems plant die Umrüstung eines Containerschiffes. In den Niederlanden fahren fünf Binnenschiffe mit LNG, weitere sind geplant.

Und auch die Meyer Werft baut an ihren Standorten in Papenburg und im finnischen Turku insgesamt sechs Kreuzfahrtschiffe mit LNG-Technologie.

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