Oldenburg Die letzten Tage von Dr. Rolf Hollander als Vorstandsvorsitzender beim Oldenburger Foto- und Onlinedruck-Unternehmen Cewe verlaufen anders als in deutschen Chefetagen üblich. Er räumt nur minimal auf, packt keine Kartons. Die Büro-Utensilien verharren an der Wand und auf dem Tisch: „Ich bleibe ja in diesem Zimmer“, sagt Hollander (65), der Ende des Monats aus dem Vorstand ausscheidet. Aber er wird eben nicht die Schlüssel abgeben, sondern sich – im lautlosen Übergang – künftig an der Spitze des Kuratoriums bei Cewe engagieren, einem zen­tralen Kontrollgremium.

Baustelle als Normalfall

Damit erübrigt sich auch die Frage, was der stets gut motiviert wirkende Oldenburger Top-Manager, der rund drei Jahrzehnte bei Cewe war, künftig mit seiner freien Zeit machen will: „Mehrmals pro Woche“, sagt er, werde er wohl im Büro sein. Der Betriebswirt wird die Sache ernst nehmen.

Er hinterlässt am Firmensitz eine Baustelle. Dort wird gerade ein schmuckes neues Zentralgebäude errichtet. In Kürze ist Einweihung. Die „Baustelle“ war – im übertragenen Sinne – quasi Normalfall in Hollanders Ära als Vorstands-Chef. Das zeigt eine einzige Zahl: Kaum noch zwei Prozent des Umsatzes stammen von analogen Filmen, in kleinen Dosen. Und selbst diese Fotos würden elektronisch bereitgestellt. „Wir sind also zu 100 Prozent digital“, freut sich der Chef. Er hat diesen Transformationsprozess gestaltet – und das Überleben gesichert. Sein Nachfolger ist Christian Friege (51).

Dass Hollander einst nach Oldenburg kam, ist auch Zufall. Er hätte auch in einer anderen Branche landen können, wie der Cewe-Chef einräumt. Er fügt aber hinzu: „Was man macht, sollte man eben gern machen, mit Herzblut.“ Und deshalb entschied sich der gebürtige Stader, von der Beratungsfirma A.T. Kearney kommend, Mitte der 80er Jahre für das Thema Foto und für die Firma Cewe von Heinz Neumüller. Hollander wurde zunächst stellvertretender Geschäftsführer, musste den Betrieb umorganisieren. Seit 2002 war er Vorstandsvorsitzender der börsennotierten Holding AG.

Mit dem, was seither bei Cewe geschah, über den technologischen Sprung hinaus, ließen sich viele Seiten füllen. Aus Kundensicht muss auf jeden Fall die Marke Cewe erwähnt werden. Die gab es vor der Hollander-Ära quasi nicht. „Wir waren eher anonym mit Fotoaufträgen für unsere Kunden tätig“, erläutert der scheidende Cewe-Chef. Heute ist Cewe eine starke Marke. Dazu trug das Fotobuch bei. „Das Cewe Fotobuch ist das beste, das es gibt“, sagt Hollander, der jede Gelegenheit (auch die jährliche Aktionärsversammlung) gern zur Verbreitung von Produkt-Erläuterungen nutzt. „Ich habe eben eine pädagogische Neigung“, sagt er verschmitzt. Cewe, das sei sogar eine „Jahrhundertmarke“.

Diese Marke habe ganz neue Möglichkeiten eröffnet, erläutert Hollander. Unterm Strich wurden die Produkte – verschiedenste Dinge mit Foto-Komponente, bis hin zum Liegestuhl – einfach immer mehr wert. Die Oldenburger bekommen so stetige Gewinnsteigerungen hin. Der Aktienkurs hat sich in der Ära Hollander etwa vervierfacht. Auch viele der 3500 Mitarbeiter (900 in Oldenburg) sind Aktionäre geworden.

Der Chef ist den Menschen zugewandt. Er kann mit ihnen reden, hört man auch im Betrieb. Da sei etwas Motivierendes. Darin wiederum sieht der Diplom-Kaufmann selbst die Basis für Leistung und tolle Produkte. Es gelte: „Nichts begeistert mehr als der Erfolg.“

Der günstige Ertragstrend wird jetzt auch von einem Geschäftsfeld mitgetragen, das in der Hollander-Ära neu entstand: der kommerzielle Online-Druck. Das sind zum Beispiel verschiedenste Flyer. Passend zum Abschied kam die neue Sparte in die Gewinnzone. Es hätte auch viel früher gelingen können, aber Maßnahmen „zur Schau“ sind nicht Hollanders Ding. Er hat stets nachhaltiger gedacht.

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Als Fan beim Basketball

Und so wird es nun, in der Zeit nach dem Cewe-Vorstand, wohl auch keine abrupten Brüche geben. Der stets sportlich wirkende 65-Jährige wird mit seiner Frau in Oldenburg bleiben. „Man kann hier sehr gut leben“, sagt er. Und dann der regionale Sport, den Cewe wie auch die Kultur in Millionenumfang fördert. „Schauen Sie sich die Baskets an“, sagt er, „das ist doch eine Top-Mannschaft in Deutschland“, sagt Hollander, der Niederlagen gleich sportlich wegsteckt. In der EWE-Arena wird man ihn künftig wohl nicht seltener sehen als bisher.

Rüdiger zu Klampen Redaktionsleitung / Wirtschaftsredaktion
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