Berlin /Oldenburg /Leer Noch rollt der Mini-ICE durch Berlin, thront der Fernsehturm über der Hauptstadt, begrüßt der Bundespräsident die Gäste zum Gartenfest im Schloss Bellevue und funktioniert sogar der Flughafen. Doch in weniger als zwei Monaten wird Schluss sein mit dem pulsierenden Leben im Maßstab 1:87. Fast 1000 Gebäude und 200 Züge werden auf einen Schlag verschwinden, 50 000 kleine Berliner ihre Heimat verlieren. Die im „Alexa“ am Alexanderplatz beheimatete Miniaturwelt „Loxx“, drittgrößte Modellbahnanlage der Welt, wird am 31. August geschlossen und soll verkauft werden.

„Natürlich fällt es einem schwer, sich nach 13 Jahren von der Anlage zu trennen“, sagt der in Oldenburg aufgewachsene Eigentümer Stefan Göddeke. Doch der Entschluss sei nach reiflicher Überlegung gefallen. Zum einen aus persönlichen, zum anderen aus kaufmännischen Gründen. „Ich habe ein Zeitproblem“, erklärt er. Neben seiner Tätigkeit als Rechtsanwalt in Berlin halte er verschiedene Unternehmensbeteiligungen. Auch seiner Familie mit vier Kindern wolle er mehr Zeit widmen. Zudem endet im Herbst der auf zehn Jahre befristete Mietvertrag im „Alexa“. Zwar hätte Göddeke die Option gehabt, den Vertrag um zehn Jahre zu verlängern, doch sei die Miete bereits in den vergangenen zehn Jahren spürbar gestiegen.

2004 hatte der Jurist aus dem Oldenburger Land gemeinsam mit seinem Bruder Henrik und unterstützt von der Familie in Berlin einen Jugendtraum verwirklicht: eine Modellbahnanlage im großen Stil. Herzstück der Miniaturwelt auf mehr als 800 Qua-dratmetern ist die originalgetreue Nachbildung der Berliner Stadtbahnstrecke – samt Reichstag, Brandenburger Tor und Rotem Rathaus. Mehr als 1,1 Millionen Besucher haben die Anlage in den vergangenen 13 Jahren angeschaut.

Nun wird die gesamte Anlage bei Ebay zur Versteigerung angeboten. Der Sofortkauf“-Preis beträgt 749 000 Euro. Am Montagabend lag das Höchstgebot bei 450 050 Euro. Die Auktion läuft noch bis diesen Dienstag, 17 Uhr. „Ich würde mich freuen, wenn jemand die Anlage übernimmt, der sie auch weiter betreibt“, sagt Göddeke. Parallel zur Ebay-Auktion liefen auch Gespräche mit Interessenten, die bereits größere Modellbahnanlagen betreiben.

Als ein aussichtsreicher Kandidat gilt das Leeraner Miniaturland. „Wir sind interessiert“, bestätigt Miniaturland-Geschäftsführer Wolfgang Teske. „Die Anlage würde konzeptionell gut bei uns reinpassen“, sagt er. „Und es wäre wirklich schade, wenn die Loxx-Anlage der Öffentlichkeit nicht mehr zugänglich gemacht werden würde.“

Das 2011 eröffnete Miniaturland in Leer gilt nach dem Miniatur Wunderland in der Hamburger Speicherstadt als zweitgrößte Anlage ihrer Art. Auf mehr als 1000 Quadratmetern sind dort die Sehenswürdigkeiten Ostfriesland im Maßstab 1:87 nachgebildet. Seit Frühjahr 2015 wird die Anlage in einem zweiten Gebäude um mehr als 2000 Quadratmeter erweitert. Hier entsteht zurzeit das Oldenburger Land im Kleinformat. Und in dieser Halle mit zwei Ebenen könnte auch Klein-Berlin seinen Platz finden.

Ob Reichstag, Brandenburger Tor und Fernsehturm nach Ostfriesland umziehen, könnte sich schon in Kürze entscheiden. Göddeke will sich noch nicht in die Karten schauen lassen, ob seine Züge künftig in seiner alten Heimat im Nordwesten rollen werden. Eine andere Modellbahnanlage von ihm steht bereits in der Region. „Unsere erste Anlage aus Kindertagen ist noch immer bei meinen Eltern in Friedrichsfehn auf dem Dachboden“, sagt er lachend.

Jörg Schürmeyer Redakteur / Wirtschaftsredaktion
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