Oldenburg Ein Rauswurf von EWE-Chef Matthias Brückmann könnte den Konzern teuer zu stehen kommen. Vor der entscheidenden Aufsichtsratssitzung an diesem Mittwoch gibt es zunehmend Zweifel, ob die Vorwürfe gegen den Vorstandsvorsitzenden ausreichend sind für eine fristlose Kündigung. „Wenn es schlecht läuft, müssen wir den ganzen Vertrag auszahlen“, hieß es am Dienstag in Aufsichtsratskreisen. Brückmann hat bei EWE bis 2020 unterschrieben.

Von den durch die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG untersuchten Vorwürfen gegen Brückmann gilt nach NWZ-Informationen nur ein einziger als juristisch relevant: die eigenmächtig veranlasste 253 000-Euro-Spende an die Stiftung der Klitschko-Brüder. Während einige Aufsichtsratsmitglieder nach Lektüre des vorläufigen KPMG-Berichts von „einer Reihe von Verstößen gegen Unternehmensrichtlinien und Treue-Verletzungen“ sprechen, kommt ein von Brückmann selbst in Auftrag gegebenes Rechtsgutachten zu einem anderen Schluss: „Eine Pflichtverletzung durch Herrn Brückmann lag nicht vor“, schreibt der Rechtswissenschaftler Prof. Dr. Uwe Schneider von der Uni Mainz.

Die Ablösung von Brückmann an diesem Mittwoch gilt aber trotz des drohenden Rechtsstreits als wahrscheinlich. Vor zwei Wochen hatte bereits das Präsidium des Aufsichtsrats empfohlen, den EWE-Chef mit sofortiger Wirkung zu entlassen.

Aber nicht nur der Tagesordnungspunkt Brückmann verspricht eine hitzige Aufsichtsratssitzung. Eigentlich sollte auch über die Besetzung von zwei vakanten Vorstandsposten entschieden werden, im Gespräch waren die Namen von EWE-Netz-Chef Torsten Maus und des ehemaligen Generalbevollmächtigten Infrastruktur Timo Poppe. Nachdem vor Kurzem über Korruptionsverdacht bei EWE Netz berichtet wurde, wollen verschiedene Aufsichtsratsmitglieder nach NWZ-Informationen diese Personalien derzeit nicht unterstützen.

Überhaupt ist die Stimmung angespannt im Aufsichtsrat. Mehrere Mitglieder des Kontrollgremiums zeigen sich verärgert über Alleingänge des Präsidiums, etwa im Fall Brückmann. „Da muss aufgeräumt werden“, sagte ein Mitglied am Dienstag wütend der NWZ: „Im Konzern und auch im Aufsichtsrat!“


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Karsten Krogmann Redakteur / Reportage-Redaktion
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