Oldenburg Ohne Aktien und Immobilien wird sich künftig kaum eine vernünftige Altersvorsorge aufbauen lassen. Das war der Tenor beim „Oldenburger Altersvorsorge-Forum“ am Donnerstagabend im Autohaus Senger in Oldenburg. Die Frage, die das federführende „Oldenburger Institut für Altersvorsorge“, ein gemeinnütziger Verein, in Raum gestellt hatte, war: „Immobilien versus Aktien – Was lohnt sich mehr?“ Doch klar wurde vor mehreren Hundert Gästen, dass sich beides eher ergänzt als gegenseitig ausschließt.

„Ohne Aktien geht es nicht“, meinte Heiko de Vries, Gründer und Vorstandsmitglied beim Oldenburger Fondshaus Loys AG, das mehr als 1,6 Milliarden Euro an Sparvermögen verwaltet. Das Problem hierzulande sei: „Die Deutschen lieben Zins-Anlagen.“ Das Drama sei: „Ein wesentlicher Teil dieser Anlagen rentiert nach Einbeziehung der Teuerungsrate negativ.“ Dies bedeute eine „Riesen-Fehlallokation.“

De Vries räumte ein, dass es nach einem Jahrzehnt mit steigenden Kursen nicht mehr so einfach sei, zu investieren. Man müsse nach unterbewerteten Qualitätsaktien suchen. Er riet zu Sparplänen mit regelmäßigen Einzahlungen, um Schwankungen auszugleichen. Es sei bedauerlich, dass die große Mehrheit der Aktien der Dax-Konzerne heute in ausländischer Hand sei. Man müsse dieses „Tafelsilber“ quasi ein Stück weit zurückkaufen. Letztlich gehe es auch darum, mehr Rendite für das eingesetzte Kapital zu bekommen – auch um die Probleme der Altersvorsorge zu lösen. „Vor allem für junge Leute sind Aktien das Maß der Dinge“, meinte de Vries.

Investieren – das habe auch etwas mit Befindlichkeiten und Kenntnissen zu tun, meinte der Oldenburger Projektentwickler Dirk Onnen (Kubus Immobilien). Zuweilen sei bei Immobilien von Vorteil, dass man – anders als bei Aktien – nicht jeden Tag Wertschwankungen sehen könnte. „Gewohnt wird immer“, meinte er, und Immobilien seien daher auch als Altersvorsorge-Anlage geeignet. Der Experte, seit 28 Jahren als Investor am Markt, riet aber zu sorgfältigen Standortwahl: Ihm gefallen aufstrebende Oberzentren, die Menschen aus dem Umland anziehen, und dort wiederum eher zentrumsnahe Stadtteile, in den Menschen bekanntermaßen gern wohnen. Wichtig sei zudem die Wahl einer „Zielgruppe“ für die zu erwerbende Immobilie. Onnen sieht zum Beispiel Chancen für kleine Wohnungen mit sehr effizienten Grundrissen für Ein-Personen-Haushalte. Mit Blick auf überschaubare Renten meinte er: „Viele Wohnungen müssen kleiner werden als heute.“

Onnens Fazit: Nicht nur in Aktien gehen, auch Immobilien berücksichtigen.

Folker Hellmeyer, vielen Anlegern als unterhaltsamer und meinungsstarker Volkswirt der Bremer Landesbank in Erinnerung, betonte mit Blick auf Aktien und Immobilien : „Ich bin ein Freund der Sachwerte.“ Diese beiden Anlageklassen böten Inflationsschutz. Geld dagegen sei „gefährlich“. Das lehre die Geschichte der Inflation.

Man sollte sich eingangs mit der Frage befassen: „Was will ich erreichen?“, riet bei dem Forum der Oldenburger Universitätsprofessor Jörg Prokop. An deutschen Anlegern fällt ihm auf, dass sie sehr auf das Inland fixiert sind, statt die Anlage-Regionen zu diversifizieren. Eine Grundregel sei aber: „Streuung reduziert Risiken.“ Oft werde auch zu emotional gehandelt – also bei Gewinnen zu früh verkauft und bei tiefen Kursen nicht gekauft.

Letztlich wurde bei dem von Henning Schmidt moderierten Forum deutlich: Bei der Altersvorsorge in Deutschland gibt es noch viel Nachbedarf an moderner Kapitalanlage. Das „Oldenburger Institut für Altersvorsorge“ habe es sich zur Aufgabe gemacht, neutral und qualifiziert zu informieren, sagte Vorstandsvorsitzender Michael Hollmann.

Rüdiger zu Klampen
Redaktionsleitung
Wirtschaftsredaktion

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