Oldenburg Wegen der Klitschko-Spende sollen sich der frühere EWE-Chef Matthias Brückmann und der aktuelle EWE-Marktvorstand Michael Heidkamp vor Gericht verantworten: Die Staatsanwaltschaft Oldenburg hat die beiden Manager wegen Untreue angeklagt. Sie sollen 2016 aus dem EWE-Vermögen eine Spende in Höhe von 253 000 Euro an die Stiftung der Boxer-Brüder Wladimir und Vitali Klitschko veranlasst haben. Damit hätten sie gegen die „Regularien der EWE AG“ und „insbesondere gegen die Konzern-Richtlinie ,Spenden‘“ verstoßen, teilte die Staatsanwaltschaft mit.

Die sogenannte Klitschko-Affäre hatte für zahlreiche Schlagzeilen gesorgt. In der Folge beschloss der EWE-Aufsichtsrat im Februar 2017 Brückmanns fristlose Kündigung. Das Gremium hielt dem Vorstandsvorsitzenden eine „Vielzahl diverser grober Verfehlungen“ vor, im Mittelpunkt der Vorwürfe stand dabei die Klitschko-Spende: Brückmann sollte die Spende auf einer Gala in Kiew (Ukraine) eigenmächtig zugesagt haben. Heidkamp hatte später die notwendige zweite Unterschrift für die Überweisung der Summe geleistet, „auf Zuruf“, wie er später erklärte. Die Klitschko-Stiftung erstattete im Juni 2017 knapp die Hälfte des Spendenbetrags an die EWE.

Die unrechtmäßige Spende ist aber nicht der einzige Vorwurf der Ankläger gegen Brückmann: Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Untreue in zwei weiteren Fällen vor. So soll Brückmann im Juni 2016 zwölf befreundete Mitglieder des Mannheimer Clubs „Rustikale Feinschmeckerchuchi“ zu einem dreitägigen Besuch nach Oldenburg eingeladen haben, inklusive Übernachtung, Programm und natürlich gemeinsamer Essen – alles auf Kosten der EWE. Im Januar 2017 soll Brückmann dann private Gäste an einen VIP-Tisch auf dem Oldenburger Opernball im Staatstheater eingeladen haben – ebenfalls auf EWE-Rechnung. Den Schaden beziffern die Ankläger auf 11 961,82 Euro (Feinschmecker-Ausflug) und 6307 Euro (Opernball).

„Wir haben die Entscheidung der Staatsanwaltschaft Oldenburg zur Kenntnis genommen und sehen nun den Entscheidungen des Landgerichts entgegen“, sagte der Aufsichtsratsvorsitzende der EWE, Bernhard Bramlage, auf Nachfrage der NWZ. „Die EWE AG hat den Sachverhalt um die Spende umfassend durch einen externen Prüfer untersuchen lassen, die Feststellungen bewertet und in die Entscheidungen über notwendige Konsequenzen einbezogen.“ Übersetzt bedeutet „notwendige Konsequenzen“: Brückmann musste gehen, Heidkamp durfte hingegen bleiben, weil die Prüfer seinen Beitrag zur Spende als verzeihlich bewertet hatten.

Über die Zulassung der Anklage entscheidet nun die Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Oldenburg.

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Karsten Krogmann Redakteur / Reportage-Redaktion
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