Oldenburg Es hatte schon etwas von einer bitterbösen Note, dass am Donnerstag ein Regenguss niederging, als die Landwirtschaftskammer (LWK) Niedersachsen in Oldenburg ihre Kammerversammlung abhielt. Denn eigentlich waren „Hitze und Trockenheit in einer Dimension, wie wir sie bisher noch nicht erlebt haben, in diesem Jahr unser ständiger Begleiter“, sagte Kammerpräsident Gerhard Schwetje. Dieses Ex­tremwetter werde sich auch in den Wirtschaftszahlen widerspiegeln, prognostizierte er.

Dass jedoch nicht nur Hitze und Trockenheit, sondern auch andere Wetterkapriolen den Bauern zu schaffen machen, verdeutlichte Schwetje, als er die Ergebnisse für das Wirtschaftsjahr 2017/18 (1. Juli 2017 bis 30. Juni 2018) vorstellte. Dieser Zeitraum sei nämlich von „nicht enden wollendem Regen“ geprägt gewesen. „In der Quintessenz waren die Auswirkungen ähnlich dramatisch wie bei der diesjährigen Dürre“, sagte er.

Zwar erzielten die Betriebe in Niedersachsen im Wirtschaftsjahr 2017/18 mit im Schnitt 65 802 Euro ein besseres Ergebnis als im Vorjahr (60 005 Euro). Dieses Ergebnis, was Schwetje als „allenfalls ausreichend“ bezeichnete, sei aber „absolut keine Grundlage für eine nachhaltige betriebliche Entwicklung“. Nur etwa die Hälfte der Betriebe habe es geschafft, mit 60 000 Euro oder mehr ein auskömmliches Einkommen zu erzielen. Im Einzelnen:

Milchvieh

Dank eines besseren Milchpreises und eines stabilen Rindfleischmarktes lag das durchschnittliche Unternehmensergebnis mit 84 744 Euro deutlich über dem Vorjahreswert. Allerdings hatten die Betriebe laut Schwetje zuvor auch mit „drei schlechten, fast schon ruinösen Jahren“ zu kämpfen.

Ackerbau

Die Ackerbaubetriebe mussten im Spätsommer und Herbst 2017 vielerorts „Schlammschlachten schlagen“ (Schwetje), um die Ernte vom Acker zu holen. Schlechte Preise für Kartoffeln und Zuckerrüben kamen hinzu. Am Ende standen im Schnitt nur 51 943 Euro je Betrieb, womit die Ackerbaubetriebe erstmals überhaupt das Schlusslicht der untersuchten Betriebsformen bildeten.

Veredlung

Nach einer Erholung im Vorjahr mussten die Veredlungsbetriebe, also die Schweinehalter, im Wirtschaftsjahr 2017/18 wieder Einkommenseinbußen hinnehmen. Eine sinkende inländische Nachfrage und niedrigere Exporterlöse resultierten in niedrigeren Schweinepreisen. Am Ende blieben Ferkelerzeugern und Schweinemästern im Schnitt nur 57 000 Euro.

Ökobetriebe

Bei den Ökobetrieben, zumeist Milchviehbetriebe, konnte die Kammer aufgrund der geringen Zahl ausgewerteter Betriebe nur einen Trend beschreiben. Mit einem Ergebnis von 82 800 Euro liegen diese etwa auf dem Niveau konventioneller Milchviehbetriebe. Schwetje wies aber darauf hin, dass dies nur durch die zusätzliche ausgezahlte Ökoprämie von 240 Euro je Hektar gelingen konnte.

Ausblick

„Unsere Prognosen für das aktuelle Wirtschaftsjahr 2018/19 lassen vermuten, dass sich die wirtschaftliche Lage in nahezu allen Betriebsformen verschlechtern wird“, sagte Schwetje. Milch- und Schweinepreise lägen unter Vorjahresniveau und Ackerbaubetriebe dürften die Folgen der Dürre des Sommers 2018 zu spüren bekommen.

Hans-Joachim Harms, Direktor der Landwirtschaftskammer, berichtete, dass die Nachfrage nach Dürrehilfen groß sei. Kurz vor Ende der Meldefrist seien rund 1800 Anträge bei der LWK eingegangen. „Am Ende gehen wir von über 3000 Anträgen aus“, sagte er. Wie Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) auf der Kammerversammlung sagte, ist die Bearbeitung angelaufen. Es deute sich eine durchschnittliche Zahlung in Höhe von etwas 21 000 Euro pro Betrieb an.

Eine positive Nachricht hatten Otte-Kinast und Harms für Niedersachsens Landwirte auch noch parat. Die EU-Mittel – Direktzahlungen inklusive „Greening-Prämie“ – werden bereits ab dem 14. Dezember an die Betriebe überwiesen. „Das ist deutlich früher als in den Vorjahren, wo wir immer zum Jahreswechsel ausgezahlt haben“, sagte Otte-Kinast.

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Bereits am Mittwochabend hatte die LWK die landesweit besten Auszubildenden des Jahrgangs in den grünen Berufen gekürt. Insgesamt 15 junge Leute wurden für herausragende Leistungen geehrt, darunter vier aus dem Oldenburger Land und Ostfriesland: Landwirtin Anna Ahlers (Friesoythe, Ausbildungsbetrieb: Bernd Eilers, Bockhorn); Hauswirtschafterin Hanna Preuth (Garrel/Falkenberg, Betrieb: Miavit, Essen); Milchwirtschaftlicher Laborant Marek Frerichs (Großefehn, Betrieb: Rücker, Aurich) und Milchwirtschaftliche Laborantin Kathryn Wolgast (Hude, Betrieb: Lufa Nordwest, Oldenburg).

Zudem vergab die Kammer den „Arbeitnehmerpreis für besonderes Engagement“. Dieser ging an Maren Dieken (38), Hauswirtschafterin auf dem Milchviehbetrieb Oltmanns in Schortens, sowie Mario Thielmann, Landwirt auf dem Gutsbetrieb Kuhlmann in Bergen (Kreis Celle).

Jörg Schürmeyer Redakteur / Wirtschaftsredaktion
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