Oldenburg /Istanbul Mehr als zehn Jahre war die EWE in der Türkei aktiv. Nun zieht der Oldenburger Energiekonzern einen Schlussstrich unter sein vor allem in der jüngeren Vergangenheit umstrittenes Engagement am Bosporus.

Am Mittwoch gab die EWE bekannt, dass sie ihr Türkei-Geschäft an Socar, die staatliche Ölgesellschaft der Republik Aserbaidschan (State Oil Company of Azerbaijan Republic), verkauft – und zwar vollständig. Eine entsprechende Vereinbarung sei jetzt unterzeichnet worden.

Zwar steht die Transaktion noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung der türkischen Wettbewerbs- und Regulierungsbehörden. Beim Oldenburger Energiekonzern ist man aber zuversichtlich, das Geschäft noch im ersten Halbjahr 2019 endgültig über die Bühne bringen zu können.

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Zum Kaufpreis vereinbarten die beiden Unternehmen Stillschweigen. Zuletzt war in türkischen Medien von Summen zwischen 130 und 150 Millionen Euro die Rede.

Die EWE ist seit 2007 auf dem türkischen Markt aktiv und hat nach mehreren Expansionsschritten dort nach Angaben eines Unternehmenssprechers rund 900 Mitarbeiter und rund 1,4 Millionen Kunden. Neben der EWE Turkey Holding mit Sitz in Istanbul hält das Oldenburger Unternehmen Mehrheitsbeteiligungen an den regionalen Gasversorgern Bursagaz und Kayserigaz (jeweils 80 Prozent der Anteile). Zudem gehören das Handelsunternehmen EWE Enerji, der Energiedienstleister Enervis und das Telekommunikationsunternehmen Millenicom zum Türkei-Geschäft der EWE.

Der Oldenburger Konzern hatte sich schon seit Längerem um einen Verkauf seiner Türkei-Aktivitäten bemüht. Bei der Überprüfung der Strategie im vergangenen Jahr war die Konzernführung zu dem Schluss gekommen, sich angesichts der vielen Herausforderungen in Deutschland auf den heimischen Markt konzentrieren zu wollen.

Zuletzt häuften sich aber auch die Probleme in der Türkei selbst. So machte der EWE der drastische Wertverlust der türkischen Lira zu schaffen, wodurch auch die EWE-Anteile deutlich an Wert verloren. Zudem wurde das Engagement angesichts der politischen Verhältnisse in dem Land auch im EWE-Gesellschafterkreis zunehmend kritisch gesehen.

Vorstandschef Stefan Dohler hatte zuletzt immer wieder betont, dass es „keinen Notverkauf“ gebe und EWE seine türkischen Gesellschaften nur zu einem „fairen Preis“ verkaufen werde.

Diesen hat Socar, nach EWE-Angaben der größte ausländische Investor in der Türkei, nun offenbar geboten. Klar dürfte damit aber auch sein, dass das EWE-Engagement am Bosporus unterm Strich ein Minusgeschäft war. Wie viel Geld der Konzern dort in den vergangenen Jahren insgesamt investierte, ließ ein EWE-Sprecher am Mittwoch offen. Früheren Berichten zufolge war EWE damals allein der Einstieg bei Bursagaz und Kayserigaz als „strategischer Aufschlag“ rund 500 Millionen Euro wert. Weitere Investitionen im dreistelligen Millionenbereich dürften im Laufe der Jahre dazugekommen sein.

Jörg Schürmeyer Redakteur / Wirtschaftsredaktion
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