Oldenburg Die Digitalisierung der Landwirtschaft hat erhebliche Auswirkungen auf die Arbeitswelt. „Für die hier Beschäftigten bringt das Risiken mit sich, eröffnet aber auch große Chancen“, weiß Matthias Brandner, Arbeitnehmerberater bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen (LWK) in Oldenburg. Spannend ist für ihn vor allem die Frage: „Wie kann man die Beschäftigten auf dem Weg der Digitalisierung mitnehmen?“

Problem für Helfer

Gravierendste Auswirkung der Digitalisierung auf die Beschäftigung ist für Brandner, dass viele Tätigkeiten durch den Computer ersetzt, also substituiert werden sowie dass der Bereich der Dienstleistungen wachsen wird. „Daraus folgt ein hoher Anpassungsbedarf der Arbeitnehmer in den landwirtschaftlichen Berufen“, so der Berater. Aus- und Weiterbildung würden daher eine zentrale Rolle spielen. Schon heute melken Roboter Kühe und füttern die Tiere. Auf dem Acker steuern Computer den Einsatz von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln, überwachen Drohnen das Feld und Sensoren den Boden. Die vollmechanisierte Ernte von Obst und Gemüse ist in der Entwicklung. „Das wird vor allem für die vielen Erntehelfer ein Problem werden“, schätzt Brandner.

Risiken und Chancen

Als Risiken in der landwirtschaftlichen Arbeitswelt 4.0 nennt der LWK-Berater: Beschäftigungsverluste mit der Gefahr steigender Langzeitarbeitslosigkeit, steigende Lohnungleichheit, Wegfall arbeitsrechtlicher Vorschriften, gläserne Mitarbeiter, das Verschwimmen der Grenzen zwischen Arbeit- und Freizeit, aber auch die Verschärfung regionaler Ungleichheiten.

Dem stünden aber auch erhebliche Chancen gegenüber: „Smarte“ Maschinen übernehmen unangenehme Arbeit, Fachkräfteengpässe werden gemildert, neue Berufsbilder entstehen, die Jobs versprechen mehr individuelle Autonomie und Selbstverwirklichung, eine neue Innovations- und Gründerdynamik entsteht, und auch Chancen für Arbeitslose sieht Brandner.

Spannend ist auch die Frage, welche Regionen wie stark von den digitalen Veränderungen betroffen sind. Nach einer Untersuchung der Bundesanstalt für Arbeit könnten vor allem in Süd- und Südostdeutschland manuelle „grüne“ Tätigkeiten von Computern übernommen werden (bis zu 20 Prozent). Aber auch in Niedersachsen liegt der Anteil mit 15,2 Prozent recht hoch. Hier wären vor allem die Kreise Wesermarsch und Vechta (jeweils gut 23 Prozent) von einem hohen Substituierungspotenzial betroffen, im Gegensatz zum Ammerland (11,7 Prozent).

Den Bedarf und das Angebot an Arbeitskräften insgesamt in der Land- und Forstwirtschaft vor dem Hintergrund des demografischen Wandels hat das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) analysiert. Danach wird etwa in zehn Jahren der Bedarf das Angebot überschreiten. Während sich der Bedarf von 2020 bis 2030 von 590 000 auf 547 000 verringern könnte, sinkt das Angebot von derzeit 602 000 auf 546 000 Personen. Für 2035 erwartet das BIBB dann schon eine Angebotslücke von 13 000 Personen.

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Höherer Anspruch

Die Frage, wie und in welchem Umfang die Digitalisierung Einfluss auf den Arbeitsmarkt nehmen wird, hängt nach Ansicht von LWK-Berater Brandner letztendlich von drei Faktoren ab: dem Verhältnis von Lohnkosten zu Digital-Investitionskosten, der Zahl der durch Digitalisierung neu geschaffenen Stellen sowie ein Branchenwachstum durch mögliche Preissenkungen, was steigende Nachfrage und erhöhten Arbeitskräftebedarf zur Folge haben könnte. „Insgesamt könnte der Gesamtbeschäftigungsbedarf der fortschreitenden Digitalisierung in der Landwirtschaft in der Summe durchaus positiv ausfallen, und der Anspruch an die Beschäftigung wird steigen“, resümiert Brandner hoffnungsvoll.

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