Oldenburg Großbritanniens Fischer sind entschiedene Befürworter des Brexit. Sie wollen die britischen Fanggebiete nicht länger mit der ganzen EU-Flotte teilen. Was das für die Fischer hierzulande bedeuten könnte:

Welche Sorgen haben deutsche Fischer?

Sollte Großbritannien seinen Anspruch auf die halbe Nordsee vollständig durchsetzen, betreffe dies 50 Prozent der gesamtdeutschen Fangmenge und 30 Prozent der Gesamtumsätze, warnt der Deutsche Hochseefischerei-Verband. Für die Fischer geht es dabei unter anderem um Hering, Makrele, Blauer Wittling, Plattfische und Kaisergranat. 100 Prozent der deutschen Nordseeherings-Quote wird den Angaben zufolge in der britischen Zone gefangen. Die Branche sorgt sich, dass Großbritannien nach dem Brexit den EU-Staaten die Einfahrt in seine 200-Seemeilen-Zone verwehren könnte. Zugleich würden für Ex- und Importe womöglich Zölle fällig. Dementsprechend sei mit einer Produktverteuerung zu rechnen, sagt Uwe Richter, Vorsitzender des Hochseefischerei-Verbandes.

So viel Fisch wurde angelandet

Die gesamten Anlandungen an allen Fischereierzeugnissen lagen bundesweit im Jahr 2017 bei 94.513 Tonnen (2016: 119.502 Tonnen), teilte die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) mit.

Der Anteil Niedersachsens an den bundesweiten Anlandungen lag im Jahr 2017 bei 31.125 Tonnen (32,9 Prozent) und 2016 bei 31.538 Tonnen (26,4 Prozent). Der Anteil der Anlandungen aus britischen Gewässern im Jahr 2017 an den Anlandungen in Niedersachsen betrug 12.564 Tonnen und an den bundesweiten Anlandungen 38.040 Tonnen.

Diese Fischarten wurden im Jahr 2017 hauptsächlich aus britischen Fanggebieten gefischt: Blauer Wittling (97,3 Prozent); Dornhai (43,3); Glasauge (100); Goldlachs (100); Hering (66,5); Makrele (98,1); Stintdorsch (94,1). Gering war dagegen der Anteil an folgenden Fischarten: Seehecht (2,3); Seelachs (4,0); Sprotte (9,4); Wittling (4,0).

Welche Folgen könnte das haben?

Die deutsche Hochseefischerei kalkuliert mit einem Verlust von 100 Millionen Euro pro Jahr als Folge des Brexits. Es drohten die Stilllegung von Teilen der Flotte und Entlassungen bei der Besatzung, sagte etwa der Präsident des zuständigen Verbandes, Uwe Richter. Hinzu kämen Probleme für alle Firmen, die an der Hochseefischerei hängen – etwa bei der Fischverarbeitung. 500 bis 700 Arbeitsplätze könnten „unwiederbringlich weg sein“.

Wie sieht es mit Importen aus anderen Ländern aus?

Auch Importe aus anderen EU-Ländern könnten das nicht ohne Weiteres auffangen, sagen Experten. Heringe würden meist aus Dänemark oder den Niederlanden importiert. Aber auch die Dänen und Niederländer hätten keinen Zugang mehr zu den britischen Gewässern. Das würde den Verlust nach Angaben des Generalsekretärs des Deutschen Fischerei-Verbandes, Peter Breckling, nur multiplizieren.

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Wie viele Fischer gibt es in Niedersachsen?

Nach Angaben der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) gibt es in Niedersachsen zurzeit 32 Fischereifahrzeuge, die wie folgt organisiert sind: Es existieren vier Erzeugergemeinschaften, zu denen 15 Fahrzeuge zählen, ein Fahrzeug ist im Nebenerwerb tätig und die restlichen 16 Fahrzeuge sind im nicht organisierten Haupterwerb aktiv. Das bedeutet, dass sie keiner Erzeugergemeinschaft angehören, allerdings wird jedes Fahrzeug als eigener Fischereibetrieb gezählt. Niedersachsen hat demnach derzeit 21 Fischereibetriebe mit 32 Fahrzeugen.

Sabrina Wendt Redakteurin / Wirtschaftsredaktion
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