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Oldenburg /Bonn Als Klaus Bulgrin aus Hatten-Sandkrug Anfang Januar seine Post öffnete, traute er seinen Augen nicht. „Ihr bisheriger Vertrag kann aus technischen Gründen leider nicht weitergeführt werden“, teilte die Deutsche Telekom ihrem langjährigen Kunden schriftlich mit. Das Unternehmen werde deshalb den bestehenden VDSL-Vertrag kündigen. „Ich habe das zunächst für einen schlechten Scherz gehalten“, sagt Bulgrin.

Doch weder ist die Telekom zu Scherzen aufgelegt, noch ist die Kündigung des Vertrages von Bulgrin ein Einzelfall. Nach einem Bericht des Portals „teltarif.de“ greift das Bonner Telekommunikationsunternehmen bundesweit in mehreren Regionen offenbar zu harten Mitteln und kündigt VDSL-Kunden ihre bestehenden Verträge.

Hintergrund ist der Ausbau der VDSL-Vectoring-Technologie in den sogenannten Nahbereichen. VDSL Vectoring ist eine technische Erweiterung des beliebten Breitbandanschlusses VDSL (Very High Speed Digital Subscriber Line). Während bei VDSL Übertragungsraten von 25 bis 50 MBit/s üblich sind, sind mit Vectoring bis zu 100 MBit/s möglich. Nochmals deutlich schneller sind moderne Glasfaserleitungen.

Die sogenannten Nahbereiche wiederum sind die Bereiche, die etwa 550 Meter rund um die alten Hauptverzweiger liegen. In weiten Teilen Deutschlands hat die Telekom dafür von der Bundesnetzagentur den Zuschlag erhalten – aber nicht in allen. Dort, wo Mitbewerber deutlich mehr als die Telekom ausgebaut haben, bekommen die Wettbewerber das Recht, VDSL Vectoring mit bis zu 100 MBit/s auszubauen. Aus technischen und regulatorischen Gründen kann aber immer nur ein Anbieter den Ausbau vornehmen.

Im Nordwesten, genauer gesagt im Netzgebiet von EWE, ist genau das der Fall. Im EWE-Versorgungsgebiet hat der Oldenburger Anbieter nach eigenen Angaben in 212 der 649 Nahbereiche den Zuschlag zum Vectoring-Ausbau erhalten.

Und genau mit dieser Argumentation begründet die Telekom auch die Kündigung einzelner VDSL-Kunden. „Damit es nicht zu Störungen im Netz kommt, muss die Telekom ihre VDSL-Produktion in diesen Gebieten einstellen“, teilte eine Unternehmenssprecherin auf Anfrage mit. Wie viele Kunden davon betroffen sind, wollte die Telekom nicht mitteilen.

Experten zeigen sich dennoch verwundert, dass die Telekom zum extremen Mittel der Kündigung greift. „Die Telekom kann kündigen, sie muss es aber nicht“, sagt etwa Kathrin Körber, Expertin für Telekommunikation und Internet bei der Verbraucherzentrale Niedersachsen. „Sie hätte auch die Möglichkeit, Vorleistungen bei ihrem Wettbewerber, in diesem Fall also der EWE, zu mieten.“

Das bestätigt auch das Oldenburger Unternehmen. „EWE wird das neu errichtete Glasfasernetz in den Nahbereichen selbstverständlich auch anderen Anbietern zur Verfügung stellen“, sagt ein Sprecher. „Daher besteht aus unserer Sicht für alle Telekommunikationsanbieter keinerlei Veranlassung, bestehende Verträge zu kündigen.“ Dort, wo die Telekom den Zuschlag erhalten habe, gehe EWE auch genau so vor. „Wir kündigen nicht, sondern kaufen Vorleistungen bei der Telekom ein“, betonte der EWE-Sprecher.

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Die Telekom verweist darauf, dass es noch keine entsprechende Vorleistungsvereinbarung mit der EWE gibt. Man sei aber bestrebt, mit den ausbauenden Wettbewerbern entsprechende Vereinbarungen abzuschließen, um so wieder VDSL anbieten zu können, erklärte die Telekom-Sprecherin. Eine Begründung warum das Unternehmen – anders als etwa die EWE – trotzdem jetzt schon Kündigungsschreiben verschickt, nannte die Telekom allerdings nicht.

Klaus Bulgrin hat mittlerweile die Konsequenzen gezogen und plant einen Wechsel zu einem anderen Anbieter. Die Kündigungsbestätigung, die die Telekom ihm nun schickte, sorgte indes bei ihm gleich für neuen Ärger, weil die Telekom nun auch noch Geld für die Rufnummernmitnahme verlangt. „Dafür, dass die Telekom ihre Leistung nicht mehr erbringen kann oder will, soll ich jetzt noch für die Mitnahme der Rufnummern bezahlen“, echauffiert sich der Sandkruger. Er wolle sich nun bei der Bundesnetzagentur beschweren.

Jörg Schürmeyer Redakteur / Wirtschaftsredaktion
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