Oldenburg Jungen Menschen eine erste berufliche Orientierung für die Zeit nach der Schule geben. Das ist das Ziel der Ausbildungsmesse „job4u“ in den Oldenburger Weser-Ems-Hallen, die an diesem Freitag begonnen hat. Zahlreiche Schulklassen waren bereits am Freitagvormittag zu Besuch. Und die Schüler waren sehr interessiert.

„Die erste Frage war nahezu immer, was der Beruf genau beinhaltet und welcher Schulabschluss benötigt wird“, sagt Azubi Friedjof Neumann von der Baumschule zu Jeddeloh aus Jeddeloh. Mit Dunja Wessels erklärt er den Beruf des Baumschulgärtners: „Der Mangel an Gärtnern ist groß, daher müssen wir um jeden kämpfen. Viele wissen nicht, wie vielfältig der Beruf ist und welche Perspektiven es gibt“, betonen beide. Oftmals sei der Beruf durch falsche Vorstellungen – beispielsweise Unkraut jäten – nicht so gut angesehen.

Falsche Vorstellungen

Solch falschen Vorstellungen von Berufsbildern soll entgegengewirkt werden. Dazu erfahren die Schüler die Infos aus erster Hand von den Azubis. Vorteil ist dabei der geringe Altersunterschied: „Die meisten gehen direkt auf uns Azubis zu“, berichtet Fabienne Wessels, die beim Logistik-Unternehmen L.I.T. (Brake) zur Kauffrau für Spedition und Logistikdienstleistungen ausgebildet wird. Auf großes Interesse stieß der Lkw, in dem jeder probesitzen konnte.

An vielen Ständen können die Jugendlichen sogar selbst experimentieren: „Wir haben eine kleine Schaltung, die die Kinder selbst zusammenlöten können. Am Ende können sie dann Töne damit spielen“, erklärt Franka Linneweber. Sie wird beim Energie-Netzbetreiber Avacon zur Elektronikerin für Betriebstechnik ausgebildet, früher eher eine Männerdomäne: „Ich wollte gern etwas Technisches machen und dabei selber Dinge entwickeln können“, erklärt sie. Auch sie und ihr Kollege Julian Jäger räumen mit falschen Berufsvorstellungen auf: „Viele denken an harte körperliche Arbeit, aber das ist nicht zwingend der Fall“, erklärt Jäger.

Auch beim Stand von Vet Pharma aus Friesoythe wird experimentiert, und zwar mit Chemikalien: „Wir stellen Arzneimittel für Tiere her“, erklären Lisa Latoschinski und Nicole Schewa, die zur Pharmakantin ausgebildet werden. „Und ich teste diese dann“, ergänzt die angehende Chemielaborantin Tina Reinink. Wer jetzt an Tierversuche denkt, irrt jedoch: „Ich messe beispielsweise die Dichte und den pH-Wert mithilfe chemischer Verfahren“, sagt Reinink. Im Gespräch mit den Jugendlichen berichten sie offen über die Vorteile, aber auch mögliche Nachteile. „Der Beruf ist sehr vielfältig, es gibt viele Weiterbildungsgelegenheiten und der Verdienst ist gut“, sind sich alle drei einig, räumen aber auch ein: „Das erste Lehrjahr ist sehr schulisch, im zweiten steht dann mehr Praxis auf dem Programm.“

Selbstgebaute Mechanik brachten die Azubis Ulf Lukaszewicz, Hendrik Meyer und Christoph Dellwisch mit Ausbildungsleiter Bernd Ebbing von Exxon Mobil aus Großenkneten mit. Die angehenden Mechatroniker hatten ein Brückenmodell entworfen und umgesetzt, das sich mit Gliedern über einen Fluss quasi ausrollen kann. Er sei begeistert, wie der Nachwuchs das alles selbst in die Hand genommen habe, freut sich Ebbing.

Viel Eigenverantwortung übernehmen die Azubis bei der Deutschen Post AG: „Ich bin gern an der frischen Luft und freue mich über den Kundenkontakt. Beim Fahrradfahren habe ich zudem viel Bewegung“, sagt Azubi Dennis Look. Seine Schicht beginnt auf dem Land um 7.30 Uhr, im Stadtbereich wird die Post bereits ab 6 Uhr ausgetragen.

Auch die NWZ präsentiert sich und stellt die verschiedenen Ausbildungsbereiche vor. „Die Kombination von kreativen und kaufmännischen Elementen gefällt mir sehr gut“, sagt Kim Blauwitz, die eine Ausbildung zur Medienkauffrau absolviert. Vielen sei wichtig gewesen, in einem guten Team zusammen zu arbeiten und Abwechslung zu haben. Die angehende Redakteurin Lina Brunnée berichtete von „unglaublich vielen Nachfragen zum Journalismus“.

Die Ausbildungsmesse sei „unverzichtbar“, betonte Präsident Gert Stuke von der federführenden Oldenburgischen IHK bei der offiziellen Eröffnung der „job4u“. Das zeige die hohe Zahl der Aussteller (157) und Besucher. Stuke appellierte an die Eltern, sich früh gemeinsam mit ihren Kindern um Berufsorientierung zu kümmern. Die Schule allein könne das nicht leisten. IHK-Geschäftsführer Dr. Thomas Hildebrandt, Vordenker der Messe-Idee“, erinnerte an die überschaubaren Anfänge des Messeformats und die heutzutage imposante Besucherzahl um 10 000.

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Für jeden etwas dabei

Für jeden sei auf dieser Messe etwas „drin“, betonte Iris Krause vom job4u-Vereinsvorstand. Dies gelte auch etwa für einen „Plan B“. Sie wies darauf hin, dass „job4u“ aus der Region eine exklusive Partnerschaft mit dem „Innovationsbüro Fachkräfte für die Region“ des Bundesarbeitsministerium eingeht. Auch an diesem Samstag haben Jugendliche die Möglichkeit, sich von 10 bis 16 Uhr zu informieren. Der Eintritt ist frei.

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Nils Coordes Redakteur / Newsdesk
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