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Was für ein Coup für die Lufthansa! Sie wird tatsächlich die Filetstücke der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin bekommen, wie nach langem Gezerre nun feststeht – vorbehaltlich der Zustimmung der Kartellbehörden.

Die Beamten dort sollten genau hinschauen. Denn Lufthansa hat in Deutschland eine überaus starke Stellung. Und Air Berlin war die Nummer 2. Unterm Strich wird es künftig weniger Wettbewerb geben. Man darf annehmen: Tickets auf bestimmten Strecken dürften teurer werden.

Allerdings reicht eine nationale Betrachtung in Zeiten von Ryanair, Easyjet oder Norwegian nicht mehr aus. Auf dem europäischen Markt gibt es seit Langem Überkapazitäten. Viele Fluggesellschaften fliegen in den roten Zahlen. Hintergrund ist der beinharte Wettbewerb. Auch Air Berlin ist mit seinem unscharfen Profil (teils Selbstbucher, Pauschaltouristen und Business) zwischen kostenmäßig unschlagbarer Billigkonkurrenz und den Massen-Carriern vom Golf (Emirates) zerrieben worden.

Schade! Es war schön mit Air Berlin. Millionen Deutsche sind mit den rotweißen Jets in den Urlaub geflogen, meist mit besten Erinnerungen, wenn auch manchmal etwas umständlich (etwa: mit Umsteigen in Nürnberg oder auf Mallorca, um zum Ziel zu kommen). Nun wird es das Logo wohl bald nur noch in Fotosammlungen geben.

Dass Lufthansa bei der Verwertung der insolventen Air Berlin zum Zuge kommt, hat natürlich auch einige positive Aspekte. Vor allem: Die Substanz dieser traditionsreichen Fluggesellschaft wird gestärkt. Sie wird den laufenden Ausleseprozess am Welt-Flugmarkt überleben. Das war in den Schwächephasen der Vergangenheit angesichts der großen Kostenblöcke nicht immer selbstverständlich. Ein brillantes Management und eine Belegschaft, die letztlich trotz zahlreicher Konflikte mitgespielt hat, haben die Airline in der Luft gehalten. Gut so. Der Anblick eines Lufthansa-Jets mit dem Kranich am Heck steht ja, egal wo auf der Welt man gerade ist, auch immer für ein Stück solide Heimat.