London/Rotterdam (dpa) - Der niederländisch-britische Konsumgüterkonzern Unilever wird seinen Hauptsitz in den Niederlanden aufschlagen. Damit wird London nach fast 100 Jahren seinen Status als zweites Hauptquartier verlieren.

Damit sollten Strukturen vereinfacht werden, teilte der Konzern in der britischne Hauptstadt mit. Der Hersteller etwa von Magnum-Eis, Dove-Seife oder Lipton-Tee hatte seinen Aktionären dies versprochen, nachdem 2017 ein Übernahmeversuch des US-Konzerns Kraft Heinz abgeschlagen worden war.

Die britische Regierung teilte am Morgen mit, der Schritt habe nichts mit dem Brexit zu tun. Auch Konzern-Chef Paul Polman betonte, dass der für 2019 geplante britische EU-Austritt keine Rolle gespielt habe. "Diese Entscheidung betrifft die kommenden 30 bis 40 Jahre", sagte er dem niederländischen Fernsehen. "Das hängt nicht von der heutigen Politik ab."

Mitgespielt aber hat nach Konzernangaben die geplante Abschaffung der Dividendensteuer in den Niederlanden. Die Mitte-Rechts Koalition hatte dies damit begründet, dass die Niederlande attraktiver für multinationale Konzerne wie Unilever würden. Die Maßnahme, die jährlich rund 1,4 Milliarden Euro kosten würde, trifft jedoch auf großen Widerstand bei der Opposition.

Unilever-Chef Polman wollte sich dazu konkret nicht äußern. "Das ist eine Entscheidung der Politiker." Der Konzernsitz in London bleibe erhalten, sagte er dem TV-Sender. "England ist ein wichtiges Land für uns."

Für die Arbeitnehmer wird sich kaum etwas ändern. Die Konzernspitze schätzt, dass nur rund 100 Mitarbeiter in die niederländische Hafenstadt umziehen werden. Weltweit beschäftigt Unilever etwa 170 000 Menschen.

Unilever war 1930 entstanden, als sich die holländische Margarine Union und die britischen Lever Brothers zusammenschlossen. Seitdem gab es auch die niederländisch-britische Doppelstruktur mit zwei Firmensitzen.

Die Aktie soll den Angaben zufolge weiterhin in Amsterdam und London notiert sein. Zudem soll in der britischen Hauptstadt die Zentrale für das Geschäft mit Schönheits- und Pflegeartikeln (Beauty & Personal Care) platziert werden. Im Zuge seines Umbaus gibt sich Unilever nun insgesamt drei Säulen. Hinzu kommen noch Haushaltsmittel (Home Care) und Lebensmittel (Foods & Refreshments). Mit dem Umbau will Unilever bis 2020 etwa sechs Milliarden Euro einsparen.

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