WILHELMSHAVEN Über modernes Bauen in Zeiten des Klimawandels diskutierten Experten und engagierte Bürger am Mittwochabend im zweiten „Stadtgespräch“ der Architektenkammer Niedersachsen in der Kunsthalle. Damit dürften keineswegs nur technische Standards gemeint sein, betonte der streitbare Oldenburger Architekt Ingo Gabriel, der vor etwa 15 Jahren mit Plänen für die Ökosiedlung in Aldenburg gescheitert war.

Alle Energieeinsparungen seit 1980 seien bundesweit durch den Zuwachs an Wohnfläche aufgefressen worden, erinnerte er und zog gegen das herkömmliche Einfamilienhausmodell zu Felde.

55 Prozent der Gebäude Wilhelmshavens gehörten dazu – bei einem Familienanteil von nur noch zehn Prozent der Bevölkerung.

Die einstigen Neubaugebiete seien in Wahrheit „vorgezogene Altenheime“, in denen oftmals nur noch eine Person über 75 ein ganzes Haus bewohne. Ein Einfamilienhaus sei deshalb heute keineswegs mehr pauschal als Wertanlage zu sehen und 80 Prozent aller Bauwilligen Opfer eines „Rauschzustandes“. Wer energiesparendes Wohnen fördern wolle, müsse die Alten rechtzeitig zum Umzug bewegen und eine Abwrackprämie für ungenutzte Bauten zahlen. Der zusätzliche Raum zahle sich kaum aus: „Besser sie quartieren die Schwiegermutter zweimal im Jahr in ein Luxushotel aus, als ein Gästezimmer vorzuhalten“.

Gegen Energiesparen auf der grünen Wiese wandte sich auch Hape Schneider von der HafenCity Hamburg GmbH. Schließlich verursache dieses Wohnkonzept lange Wege und damit vor allem Pkw-Emissionen. Stadtkonzepte der kurzen Wege mit vielen öffentlichem Raum, Schattenflächen und Grünzonen und einer guten Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr locken Menschen in die Innenstadtlagen, glaubt er. Auf einem guten Weg dorthin sieht Vorstandsmitglied Dieter Wohler die Wilhelmshavener Spar & Bau. Das seniorengerechte Bauprojekt zwischen Kieler und Mozartstraße locke viele Senioren aus ihren Häusern.

Eine sportliche Herausforderung sei dagegen die energetische Sanierung der 3600 Bestandswohnungen vor allem in Klinkerbauweise. Wohler gab zu, trotz der schrumpfenden Stadt hätten die Baugenossenschaften vor allem durch den Verkauf der Wohnungsbaugesellschaft Jade und die schlechte Instandhaltung von deren Wohnungen nicht mit Leerständen zu kämpfen.

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Dass Wilhelmshaven in seiner Bausubstanz insgesamt nicht mehr wachsen darf, war Konsens unter den Diskussionsteilnehmern. Allerdings berichtete Gerold Janßen, Fachbereichsleiter Umwelt bei der Stadt, von Ideen, auf der ehemaligen Hofstelle Potenburg gegenüber der alten Molkerei ein Modell-Baugebiet für energiesparende Häuser auszuweisen.

Im Wesentlichen hänge dies von der Zahl möglicher Bauwilliger ab. Geboten sei es, so riet Architekt Gabriel, ökologische Standards mit einem attraktiven Lebensstil zu verbinden.

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