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OLDENBURG /WILHELMSHAVEN Der Pfusch und vermutete Betrug beim Kölner U-Bahn-Bau, bei dem u.a. große Mengen Eisenbügel abhanden kamen, beschäftigt auch die Branche im Nordwesten. Die Kölner Vorgänge sei natürlich „Thema“ auf den Baustellen, sagte Gero Lüers von der Gewerkschaft IG Bau Weser-Ems. Man frage sich meist, was dort wohl konkret abgelaufen sei – ohne bisher eine Antwort zu haben.

Externe Prüfstatiker

„So etwas darf nicht passieren“, steht für Hannelotte Hecker, Geschäftsführerin des Oldenburger Bauunternehmens Heinrich Hecker, fest. Dass Material in diesen Dimensionen abhanden komme, sei „so eigentlich nicht vorstellbar“. Bei eigenen Projekten gebe es einerseits Kontrollen zwischen den verschiedenen beteiligten Ebenen im Unternehmen, wie Planung und Ausführung. Zudem gleiche ein externer Prüfstatiker ab, „ob das, was eingebaut wird, mit dem übereinstimmt, was vorgesehen war“.

Diese Vorgehensweise bestätigt auch Johannes van der Linde, Chef des Mittelständlers Ludwig Freytag (Oldenburg). In Köln sei das möglicherweise „massiv umgangen“ worden. Jeder in der Branche wolle normalerweise, dass das, was bestellt wurde, auch geliefert und eingebaut werde.

Der Prüfingenieur schaue zum Beispiel genau hin, bevor Beton gegossen werde, erläuterte Hannelotte Hecker. Diese Betrachtung der Vorgänge und des Materialeinsatzes „von außen“ sei wichtig. Der Prüfstatiker sollte deshalb möglichst „nicht zur Sphäre des Auftraggebers gehören“.

Dies ist aber offenbar in der Branche nicht ganz selten. In mehreren Bundesländern, darunter NRW, ist die Bauprüfung weitgehend privatisiert. In Niedersachsen dagegen sind bei größeren Projekten noch die Baubehörden des Landes bzw. der Städte und Kreise mit ihren Prüfaufträgen im Spiel, erläutert der freie Prüfer Hans-Georg Oltmanns (Wilhelmshaven/Oldenburg). Niedersachsen habe „ein gutes System“. Entscheidend sei letztlich, dass die Prüfingenieure – frei oder beim Staat angestellt – präsent, erfahren und wachsam seien und „Gespür“ dafür hätten, was passieren könnte. Dann könne man präventiv wirken. Das habe auch „mit Respekt“ zu tun. „Der kaufmännische Druck auf den Baustellen nimmt ständig zu“, beschreibt Oltmanns die Rahmenbedingungen.

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Hohe Anforderungen

In seiner Branche wird angemerkt, dass staatliche Stellen für freiberufliche Prüfer zwar extrem hohe Anforderungen stellen; doch manche Ämter, die die Kontrolle – auch aus Kostengründen – selbst ausführen wollten, stellten für die Überwachung von Statik, Ausführungsplanung und Ausführung zuweilen Kräfte ein, die „zu unerfahren“ seien. Das meinte ein Ingenieur, der nicht genannt werden wollte, gegenüber dieser Zeitung. Unerfahrenheit aber erleichtere „krumme Touren am Bau“. Beim Prüfen dürfe auch nie ausgeschlossen werden, dass auf Baustellen jemand „korrumpierbar sei, wenn er persönlich noch nicht so gefestigt ist“.

Rüdiger zu Klampen Redaktionsleitung / Wirtschaftsredaktion
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