BERLIN Bei der Berliner S-Bahn hat es über Jahre hinweg systematische Manipulationen bei der Wartung von Zügen gegeben. Das geht aus einem für die Deutsche Bahn (DB) gefertigten Ermittlungsbericht hervor, den das Unternehmen am Dienstag in der Bundeshauptstadt vorstellte.

Beispielsweise waren Arbeitspläne für Werkstätten „falsch, unvollständig, nicht aktuell und zum Teil unverständlich“. Der Bericht geht laut Ulrich Homburg, Vorstand für den Bereich Personenverkehr bei der S-Bahn-Mutter DB, nun an die Staatsanwaltschaft. Dem Bericht zufolge sei aber der DB-Konzern nicht „für die technischen Mängel verantwortlich“ zu machen. Homburg kündigte Entlassungen und weitere Versetzungen für den Fall an, dass sich die Vorwürfe strafrechtlich erhärten sollten.

Juristen der Kanzlei Gleiss Lutz hatten seit Herbst S-Bahn-Mitarbeiter und Managementpersonal befragt sowie Unterlagen geprüft. Nach Angaben der Anwälte wurden zehntausende Dokumente gesichtet, „die zum Teil unzureichend und lückenhaft waren“. Dagegen habe der DB-Aufsichtsrat keine Fehler begangen, ihm sei vieles nicht bekannt gewesen.

Nach Aussage von Rechtsanwalt Detlef Schmidt waren die Fehler „auch im System angelegt“. Es habe beispielsweise über Jahre kein Qualitätsmanagement gegeben, ein vernünftiges System von Schulungen und Fortbildungen habe gefehlt. „Die Organisationsprozesse bei der S-Bahn Berlin sind ausgesprochen mangelhaft“, resümierte Schmidt.

Gleichzeitig macht der Bericht den S-Bahn-Hersteller Bombardier für Probleme verantwortlich. Dem Bericht zufolge waren die Züge der Baureihe 481/482 grundsätzlich mangelhaft. Radscheiben, Radsatzwellen und Bremsanlagen werden als „technisch unzulänglich“ eingestuft. Die Züge hätten bei Nässe ein „ungünstiges Bremsverhalten“.

Als Konsequenz verliert die Berliner S-Bahn ihre Sonderstellung im bundeseigenen Bahnkonzern. Die Tochtergesellschaft wird ebenso wie die Hamburger S-Bahn zum 1. März ins Geschäftsfeld Regionalverkehr eingegliedert, sagte Homburg. Dies solle sicherstellen, dass die einheitlichen Qualitäts- und Sicherheitsstandards der Deutschen Bahn auch bei der S-Bahn Berlin durchgesetzt werden.

Zudem richtet der Konzern eine neue Betriebseinheit Technische Revision ein. Sie soll künftig alle sicherheitsrelevanten Prozesse überwachen und wird direkt bei Bahnchef Rüdiger Grube angesiedelt.

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