Im Nordwesten /Hannover Der im Bund diskutierte 1000-Meter-Abstand von Windenergieanlagen zu Wohnhäusern wird in Niedersachsen nur von einem Bruchteil der Anlagen erreicht. Von den 6431 Windrädern zwischen Nordsee und Harz halten nur 854 diesen Puffer ein. Fast doppelt so viele – 1582 Anlagen – haben dagegen nicht einmal 400 Meter Abstand. Damit liegt rund jedes vierte Windrad im Land nur einen Fünf-Minuten-Spaziergang von Wohnhäusern entfernt. Das geht aus einer Auswertung des Energieministeriums in Hannover hervor.

Niedersachsen ist das Windland Nummer eins, nirgendwo in Deutschland stehen mehr Windräder. Auf den Plätzen folgen Brandenburg (3825 Anlagen), Nordrhein-Westfalen (3738) und Schleswig-Holstein (3661). Eine bundesweite Auswertung des Abstands zur Wohnbebauung liegt laut Bundesverband Windenergie bisher allerdings nicht vor.

Den regionalen Schwerpunkt der Windkraft bildet der Nordwesten Niedersachsens an der Küste vor den ostfriesischen Inseln. Dort, im Landkreis Aurich, stehen auch besonders viele Windenergieanlagen mit weniger als 400 Metern Abstand zu Wohnsiedlungen.

Karten des Umweltministeriums zeigen zudem, wie sich der Anteil der Landesfläche in Niedersachsen, der für Windkraft genutzt werden kann, mit den unterschiedlichen Mindestabständen verändert. So wären mit dem 1000-Meter-Abstand nur 3,61 Prozent nutzbar – bei 800 Metern wären es 6,75 Prozent und bei 400 Metern sogar 20,62 Prozent.

Die Bundesregierung sieht in der Abstandsregelung ein Instrument, das die Akzeptanz der Windenergie in der Bevölkerung erhöhen soll. Die Branche kritisiert das Vorhaben jedoch, da die verfügbare Fläche drastisch reduziert werde. Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) hat schon angekündigt, von einer Öffnungsklausel Gebrauch zu machen: Das Land werde die 1000-Meter-Regel nicht übernehmen.

Die Krise der Windenergiebranche ist auch ein Wirtschaftsfaktor. Nach Angaben von Ministerpräsident Stephan Weil, der den Wind als „Rohstoff des Nordens“ bezeichnet, sind in den vergangenen drei Jahren bereits mehr als 40 000 Arbeitsplätze verloren gegangen. Zuletzt kündigte der Anlagenbauer Enercon aus Aurich an, rund 3000 Stellen abzubauen, davon etwa die Hälfte in Ostfriesland.

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