Hannover /Oldenburg Es sind nur zwei Sätze, mit denen Niedersachsens Finanzminister Reinhold Hilbers am Montagabend eine Neuausrichtung der kriselnden NordLB umreißt. „Ich möchte, dass die Bank wie ein Unternehmen kapitalmarktfähig wird“, sagte der CDU-Politiker am Montagabend beim Jahresendgespräch vor Journalisten. Und: Man wolle die Bank künftig „im Rahmen des Beteiligungsmanagements abbilden.“

Auf dem Weg zur AG?

Es sind wenige Worte, die aber auf eine geplante Neuausrichtung des zu knapp 60 Prozent dem Land Niedersachsen gehörenden Hauses hinweisen. Denn Kapitalmarkt meint in dem Fall, dass sich die bisher öffentlich-rechtliche Bank mit ihren noch 5900 Mitarbeitern frisches Geld künftig bei Privatinvestoren holen müsste – eventuell auch über neue Aktien, wie es Privatbanken wie die Deutsche Bank in Kapitalnot bereits getan haben. Und auch „Beteiligungsmanagement“ weist darauf hin: Zwar wäre die Komplettverlagerung der Landes-Anteile vom Finanzressort zur eben diesem Ministerium zugeordneten Hannoverschen Beteiligungsgesellschaft (HanBG) formal nur ein kleiner Schritt, zumal schon jetzt 38 Prozent des Instituts dort vertreten werden.

Doch die HanBG, die sich schon jetzt um die Landesbeteiligungen an VW, der Salzgitter AG, der Deutschen Messe oder dem Flughafen Langenhagen kümmert, fordert Rendite ein. Somit scheint Hilbers einen Umbau zu einer zumindest teilprivatisierten Bank anzustreben. Das wäre eine Zäsur nach einer jahrhundertelangen öffentlich-rechtlichen Tradition, die ihre Ursprünge in der Beseitigung der Schäden des Siebenjährigen Krieges im Braunschweiger Land hat.

Sicher ist: Die NordLB verdient zwar in fast allen Bereichen – von der Finanzierung von Landwirtschaft über Windparks bin hin zu Flugzeugen – gutes Geld. Wegen fauler Schiffskredite, von denen viele zwischen 2005 und 2009 an norddeutsche Reeder gingen, braucht sie aber viel mehr: die Rede ist von etwa drei Milliarden Euro. Um an die Milliarden zu kommen, verhandelt Hilbers derzeit mit drei US-Investoren, die als Minderheitsgesellschafter einsteigen könnten: Cerberus, Apollo und Centerbridge. Im Januar könnte es zum Abschluss kommen.

Eine Privatbeteiligung in einer öffentlich-rechtlichen Bank ist aber pikant, zumal die NordLB mit der jahrhundertealten Braunschweigischen Landessparkasse derzeit auch eine Sparkasse hat. Das bekannte Sparkassenlogo in den Händen einer US-„Heuschrecke“ ist für den Sparkassenverband eine Horrorvorstellung.

Sollte statt eines US-Fonds eine andere Landesbank in Hannover einsteigen, wäre das öffentlich-rechtliche Modell gesichert. Doch so richtig viele Landesbanken gibt es nach den Desastern bei West LB und HSH Nordbank nicht mehr: Die hessische Helaba oder die Stuttgarter LBBW werden genannt. Alle zusammen könnten eine mächtige „Super-Landesbank“ bilden, träumen einige. Doch eine solche Lösung bräuchte angesichts der vielen Beteiligten Jahre. Und selbst die an der NordLB beteiligten Sparkassenverbände Niedersachsen (26,36 Prozent), Sachsen-Anhalt (5,28 Prozent) und Mecklenburg-Vorpommern zeigen derzeit wenig Interesse, noch mehr Geld in die Landesbank zu pumpen.

5900 Mitarbeiter

Wie auch immer der Bieterwettstreit ausgeht: Für die NordLB dürften die ungemütlichen Zeiten weitergehen. Noch sind in der Bank 5900 Mitarbeiter beschäftigt, davon 900 an den ehemaligen Standorten der früheren Bremer Landesbank in Bremen (600) und Oldenburg (300). Doch die Zahl sinkt: Insgesamt will die Bank 1250 Mitarbeiter loswerden. Und das könnte nur der Anfang des Umbaus werden.

Klaus Wieschemeyer Korrespondent / Redaktion Hannover
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

NWZONLINE-NEWSLETTER

Ja, ich möchte den täglichen NWZonline-Newsletter erhalten.
Meine E-Mail wird nur zu diesem Zweck verwendet.
Einwilligung jederzeit wider­rufbar, Abmeldelink in jeder E-Mail. Die Datenschutz­erklärung habe ich zur Kenntnis genommen.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.