Hannover Mitten in der Großstadt suchen die niedersächsischen Milchbauern in diesem Jahr den Kontakt zu den Verbrauchern: Am Internationalen Tag der Milch lädt die Landesvereinigung der Milchwirtschaft an diesem Samstag auf den Opernplatz in Hannover zum „Milcherlebnistag“ und will über die Situation der Branche informieren.

Wie ist die wirtschaftliche Lage der Bauern zurzeit?

„Im Augenblick haben wir durchschnittliche Milchpreise“, sagt Jan Heusmann, Vorsitzender der Landesvereinigung der Milchwirtschaft und Milchbauer in Loxstedt bei Cuxhaven. Viele Betriebe haben aber mit erhöhten Kosten aufgrund der Trockenheit aus dem vergangenen Jahr zu kämpfen. Die Milcherzeugerpreise seien im Moment nicht auskömmlich, sagt hingegen der Landesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft, Ottmar Ilchmann. Er ist auch Milchbauer im ostfriesischen Rhauderfehn. „Das ist weit unterhalb der Kostendeckung.“ Laut Landwirtschaftskammer lag der Durchschnittspreis im April zwischen 32 und 34 Cent pro Kilogramm.

Können die Betriebe davon leben?

Es komme sehr auf den Betrieb an, in wirtschaftlicher und geografischer Hinsicht, erläutert der Milchwirtschaftsexperte der Landwirtschaftskammer, Albert Hortmann-Scholten. Einige Höfe könnten sicherlich mit einem Erzeugerpreis von 34 Cent auskommen. Aber: Die Folgen der Dürre aus dem vergangenen Jahr sind regional sehr unterschiedlich – sie reichen vom Totalausfall bis zu einer durchschnittlichen Futtermaisernte. Wenn also ein Hof sehr stark unter der Trockenheit des vergangenen Jahres gelitten hat, spüre er die Folgen auch heute noch.

Welche Probleme haben die Betriebe noch?

Vor allem gesetzlich verschärfte Anforderungen, etwa an die Lagerung von Gülle und Silage, machen den Landwirten Sorgen. Wegen der verschärften Gülleverordnung müssen die Betriebe kräftig in größere Gülle-, bessere Silagelager und den Grundwasserschutz investieren.

Doch nicht nur die Investitionen machen den Betriebsleitern Sorgen, sondern auch die Genehmigungen, die die Behörden in manchen Orten aus emissionsrechtlichen Gründen nicht erteilen wollen. „In Dorflagen werden Geruchsemissionen berechnet, und da kann es sein, dass es nicht möglich ist, ein neues Güllelager zu errichten“, erklärt Heusmann. Auch die Anforderungen an Tierwohl und Tierschutz steigen, sagt der Oldenburger Hortmann-Scholten: „Die Auflagenflut steigt.“

Welche Alternativen haben die Landwirte?

Viele Landwirte, vor allem diejenigen über 50 Jahre, überlegen sich angesichts dieser Probleme im Moment, den Beruf an den Nagel zu hängen. Das passiere vor allem dann, wenn die Kinder den Betrieb nicht weiterführen möchten. Der Arbeitsmarkt ist für die Landwirte im Moment günstig: Sie könnten als Fahrer arbeiten oder fangen auf anderen landwirtschaftlichen Betrieben an, sagt Ilchmann. Landwirte seien bei den Arbeitgebern beliebt, weil sie recht flexibel seien, argumentiert Hortmann-Scholten. „Die Betriebsaufgabe-Beratung ist im Moment eine der wichtigsten Kammer-Tätigkeiten.“

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Wie sieht der Milchmarkt im Moment aus??

Die Preise für Magermilchpulver sind stabiler geworden, nachdem die EU ihre eingelagerten Bestände abgebaut hat. Grund sei die gestiegene Nachfrage aus China, die mit dem Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest dort zusammenhänge, erklärt der Kammer-Experte: Weil der dortige Schweinebestand wegen der Seuche rasant geschrumpft sei, werde in großen Mengen tierisches Eiweiß aus anderen Ländern importiert. Davon profitierten nicht nur europäische Schweinehalter, sondern indirekt auch die Milchbauern.

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