Hannover /Berlin Der Tenor bei einer Konferenz von Vertretern landwirtschaftlicher Sorgentelefone in Niedersachsen war eindeutig und alarmierend: „Die Verzweiflung auf den Höfen ist groß.“ Die Sorgentelefone und Beratungsstellen erlebten in diesem Herbst einen „nie dagewesenen Ansturm“, heißt es.

Viele Gründe

Als Gründe für die Verzweiflung nennt Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) „niedrige Preise, Tierseuchen und veränderte gesellschaftliche Anforderungen.“ Hinzu komme „wie ein Katalysator die Corona-Pandemie“. Das Spektrum der Auswirkungen reiche von Generationenkonflikten über Panikverkäufe bis zur Vereinsamung, etwa durch die Pandemie-Auflagen, haben Landfrauen-Verbände, kirchliche Dienste oder die soziökonomische Beratung der Landwirtschaftskammer Niedersachsen festgestellt.

Auch der Deutsche Bauernverband (DBV) erlebt eine anhaltend schlechte Stimmung in der Landwirtschaft. Das vierteljährlich ermittelte Konjunktur- und Investitionsbarometer Agrar sei im Herbst weiter gefallen. Joachim Rukwied, Präsident der DBV, nennt die Ergebnisse besorgniserregend. Corona, schlechte Ernteergebnisse und die Afrikanische Schweinepest seien „eine sehr gefährliche Mischung für unsere Betriebe, die den Strukturwandel noch einmal deutlich beschleunigen könnte“.

Das alles zeigt deutliche Auswirkungen auf die Investitionstätigkeit der Landwirte. Weniger als ein Drittel der Landwirte plant in den nächsten sechs Monaten überhaupt noch Investitionen. „Rückläufig sind vor allem Investitionen in Wertschöpfung schaffende und Tierwohl fördernde Ställe und Stalltechnik“, weiß Rukwied. Das müsse „ein Alarmsignal für die Politik“ sein. Der Bauernpräsident kritisiert fehlende verlässliche politische Rahmenbedingungen für die Weiterentwicklung der Tierhaltung.

Die Zukunftserwartungen der deutschen Bauern sind gering. Laut Bauernverband haben sie bei den Veredlungsbetrieben (Schwein, Rind, Geflügel) sogar „einen bislang nicht gekannten Tiefpunkt erreicht“. 44 Prozent der Landwirte befürchten auch, dass die Sorgen ihrer Betriebe durch Corona noch weiter aus dem Blick geraten könnten.

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Aktion für Hilfsangebote

Um den Landwirten in „ihrer seelischen Bedrängnis“, so Otte-Kinast, zu helfen, hat das Niedersächsische Agrarministerium mit den landwirtschaftlichen Sorgentelefonen und Beratungsstellen eine gemeinsame Aktion vereinbart. So soll intensiv Werbung für die Hilfsangebote gemacht werden – unter anderem über soziale Medien und ein Faltblatt mit allen Kontaktdaten. „Es ist wichtig, dass wirksame Unterstützung auf den Höfen landet. Dazu können auch Freunde und Bekannte beitragen, die erkennen, dass sich jemand in einer Notlage befindet“, sagt Otte-Kinast.

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