Oldenburg Experten prognostizieren, dass die Zahl der Erwerbstätigen in den nächsten 15 Jahren im Zuge des demografischen Wandels in Deutschland um 6,5 Millionen Menschen schrumpfen dürfte. „Fachkräfte werden ein, wenn nicht der wichtigste Faktor für wirtschaftlichen Erfolg“, sagte Oldenburgs Oberbürgermeister Jürgen Krogmann am Donnerstagabend vor rund 150 Teilnehmern beim 1. Oldenburger Fachkräfteforum. Wie es gelingen kann, trotz der Herausforderungen Fachkräfte zu gewinnen und zu sichern sowie Kompetenz im Betrieb zu erhalten, zeigten dabei mehrere regionale Mittelständler auf.

„Personal wird zur zentralstrategischen Ressource und sollte Chefsache sein“, betonte etwa Jan Woltermann von AMF Bruns aus Apen. Nur durch einen Mix verschiedener Hebel sowohl beim Gewinnen, Entwickeln, Motivieren und Binden von Beschäftigten könne man das Fachkräfteangebot im Betrieb sichern und ausbauen. Bei AMF Bruns setze man etwa auf Motivation durch Beteiligung, investiere viel in Weiterbildung, unterstütze bei der Altersvorsorge und teste zurzeit sogar in einem Bereich komplett flexible Arbeitszeiten.

Für Gerhardine Müller-Meinhard Cardoso vom Oldenburger Modehaus Bruns liegt ein Schlüssel darin, die Mitarbeiter, alte wie neue, aktiv einzubinden. „Heute wollen die Mitarbeiter nicht nur geführt werden, sondern auch selbst mitführen“, sagte sie. Zudem setze Bruns auf horizontale Kommunikation, das gemeinsame Festlegen von Zielen und einen Teamprozess vom Azubi bis zum Chef.

Für Lukas Bäcker vom Gebäudetechnik- und Automations-Spezialisten Meyer Technik (Ganderkesee) ist „intrinsische Motivation“ die entscheidende Grundvoraussetzung. Die Mitarbeiter müssten sich aus dem Innern heraus mit dem Unternehmen identifizieren. „Das Wichtigste ist Teambuilding“, sagte Bäcker. Dies sorge für ein gutes Klima im Betrieb.

Wie man auch gering qualifizierte Mitarbeiter aus- und weiterbilden und erfolgreich im Betrieb einsetzen kann, erläuterten Christine Grimme (Grimme Landmaschinen) und Jörg Hatscher vom Spezialfahrzeug-Spezialisten Intax aus Oldenburg. Hatscher zeigte auf, wie man Talente in einem Bereich fördern kann, für den es keinen Lehrberuf gibt, im konkreten Fall das Anbringen von Folierungen.

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Grimme erläuterte, wie es mit viel Hartnäckigkeit und Unterstützung durch die Berufsschule gelungen sei, die Ausbildung zum Maschinen- und Anlagenführer wiederzubeleben und damit auch solchen Jugendlichen eine Chance zu geben, für die eine Ausbildung zum Industriemechaniker zu anspruchsvoll ist. „Es kommt darauf an, jedem Mitarbeiter einen Arbeitsplatz entsprechend seiner Fähigkeiten anzubieten“, sagte sie.

Lutz Stratmann von der Demografieagentur für die niedersächsische Wirtschaft stellte das Förderprogramm „unternehmensWert:Mensch“ vor, das gerade kleine und mittlere Unternehmen bei der Gestaltung einer zukunftsgerechten Personalpolitik unterstützten will. Die Demografieagentur hatte die Veranstaltung gemeinsam mit der Wirtschaftsförderung der Stadt Oldenburg, dem Arbeitgeberverband Oldenburg, der Bundesagentur für Arbeit Oldenburg-Wilhelmshaven, der Handwerkskammer Oldenburg und der Oldenburgischen IHK organisiert.

Jörg Schürmeyer Redakteur / Wirtschaftsredaktion
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