Achim /Hannover Der Gasthof „Zur Linde“ in Achim bei Bremen ist ein Traditionshaus. Schon in fünfter Generation läuft der Betrieb, doch der monatelange Pandemie-Lockdown geht auch an diesem Haus nicht spurlos vorüber. „Beschissen“ sei die Situation, sagte Inhaber Claus Meyer schon Anfang November. Daran habe sich bis heute nicht viel geändert. „Keiner weiß, was los ist“, sagt Meyer am Montag mit Blick auf das unklare Ende der Corona-Beschränkungen. „Wir wissen nicht, was auf uns zukommt“, sagt auch Pasan Milisic, Inhaber des „Café Corner“ in Hannover. Die Hygienekonzepte sind vorbereitet - die Anmeldung der Gäste, die Abstände zwischen den Tischen, die Maskenpflicht. Mehr können die Gastronomen kaum tun, außer zu hoffen.

„Wir hoffen jetzt auf Ostern, dass wir dann draußen was anbieten können“, sagt Meyer. Wie realistisch dieser Wunsch ist? Da mag sich bisher kaum ein Politiker festlegen. Meyer hat dafür durchaus Verständnis, er sieht den erneuten Anstieg der Infektionszahlen mit Sorge. Er sieht aber auch die wirtschaftlichen Folgen. Wie viel Geld ihn der Lockdown kostet, will er sich lieber gar nicht genau ausrechnen. „Dann drehe ich durch“, sagt er. Die Überbrückungshilfen des Staates seien jedenfalls „nur ein Tropfen auf den heißen Stein“. Weihnachten, die Kohlsaison - „das ist alles weggefallen“.

Dehoga fordert schnelle Öffnung

Wie Meyer geht es vielen Gastwirten im Land. Der Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) hat daher am Montag eine möglichst schnelle Öffnung der Hotels und Restaurants gefordert - spätestens zu Ostern. Nach insgesamt fast 25 Wochen im Lockdown sei das Gastgewerbe „wirtschaftlich am Ende“, sagte Präsident Detlef Schröder nach einem Treffen mit Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU). Es gehe jetzt um das wirtschaftliche Überleben der Betriebe und der Mitarbeiter.

Ganz so dramatisch ist es für Milisic vom „Café Corner“ nicht. Er bietet an sechs Tagen in der Woche einen Außer-Haus-Verkauf an, die laufenden Kosten seien damit gedeckt, sagt er. Und auch die November- und Dezemberhilfen bezeichnet er als eine „großzügige Sache“. Wenn man respektvoll mit diesem Geld umgehe, sei eine längere Durststrecke schon auszuhalten. „Das rettet uns für die nächsten Monate auf gut Deutsch den Arsch.“

Milisic denkt aber auch an seine Mitarbeiter. Zwei Beschäftigte sind in Kurzarbeit, den Aushilfen kann er derzeit keine Stunden anbieten. „Das tut mir unglaublich leid“, sagt er. „Wir hoffen, dass es bald wieder vorangeht mit dem normalen Leben.“ Sein Wunsch wäre angesichts des frühlingshaften Wetters eine Öffnung ab sofort, zum Draußensitzen. So recht daran glauben aber mag er nicht. „Im Dezember war ich noch optimistisch. Jetzt habe ich keine Prophezeiung mehr.“

Keine Sicherheit für Öffnung nach Ostern

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Wirtschaftsminister Althusmann hat der Branche nach Dehoga-Angaben zugesagt, alles zu unternehmen, um eine Öffnung zu Ostern möglich zu machen. Angesichts wieder steigender Infektionszahlen gebe es dafür aber keine Sicherheit. Der Gaststättenverband verweist dagegen auf die Hygienekonzepte, die sich schon im vergangenen Jahr bewährt hätten. „Wir waren keine Infektionstreiber und wir werden auch im weiteren Verlauf der Pandemie keine werden“, sagt Dehoga-Präsident Schröder. „Wir wollen unser Einkommen wieder mit unseren eigenen Händen verdienen und nicht von staatlichen Unterstützungen abhängig sein, die uns kein Auskommen bieten können.“

Doch es geht nicht nur ums Geld, sagt Cafébetreiber Milisic. Als Mensch sei auch einfach ein geregelter Alltag wichtig. „Sonst fällt man in ein ganz tiefes Loch. Es fehlen einem auch die Arbeit, der Stress, die Gäste, die Mitarbeiter“, sagt er. Und wird zum Abschluss doch noch optimistisch: „Wir kriegen unser Leben ja wieder.“

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