Essen Für den Chef von Galeria Karstadt Kaufhof (GKK), Miguel Müllenbach, war es fast schon ein historischer Moment: Das Amtsgericht Essen hob am Donnerstag das Insolvenzverfahren des letzten großen deutschen Warenhauskonzerns auf und machte damit den Weg frei für einen Neustart des Handelsriesen.

„Diesen Tag und diesen Erfolg haben wir alle herbeisgesehnt“, schrieb Müllenbach in einem Mitarbeiterbrief. Galeria Karstadt Kaufhof melde sich zurück auf dem Spielfeld und werde in den kommenden Wochen und Monaten die Tabelle der erfolgreichen Einzelhändler auf den Kopf stellen.

Es sind selbstbewusste Worte. Dabei hatte der Warenhausriese erst Anfang April im Zuge der Corona-Krise Rettung in einem Schutzschirmverfahren suchen müssen. Zeitweise summierten sich die Verluste des ohnehin angeschlagenen Konzern aufgrund der staatlich angeordneten Ladenschließungen auf rund 80 Millionen Euro wöchentlich.

Im Insolvenzverfahren hat Galeria Karstadt Kaufhof nun Schulden in Höhe von mehr als zwei Milliarden Euro abgeschüttelt. Doch die harte Sanierung traf nicht nur die Gläubiger, sondern auch die Mitarbeiter. Rund 4000 Mitarbeiter verlieren ihren Job bei der Warenhauskette. Denn die Sanierungspläne sehen die Schließung von mehr als 40 Filialen vor. Im Nordwesten sind die Filialen in Bremerhaven und Bremen betroffen. Der Standort in Oldenburg bleibt erhalten.

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Positiv ist allerdings: Fast 130 Kaufhäuser bleiben erhalten. Die Zahl ist deutlich höher als es der ursprüngliche Sanierungsplan vorsah. Denn viele Vermieter und Kommunen hatten dem Warenhauskonzern zuletzt beträchtliche Zugeständnisse gemacht, um die Schließung der für die Attraktivität vieler Einkaufsstraßen wichtigen Warenhäuser zu verhindern. Auch von den Karstadt-Sporthäusern bleiben mehr erhalten als anfangs erwartet.

Müllenberg zeigte sich am Mittwoch demonstrativ optimistisch, was die Zukunft des Handelsriesen angeht. „Die Krise hat uns stärker gemacht, denn wir haben anders als andere Unternehmen keine Schulden“, schrieb er den Mitarbeitern.

Galeria Karstadt Kaufhof will sich künftig bei seinem Angebot mehr an den lokalen und regionalen Gegebenheiten der Standorte ausrichten und außerdem viel digitaler werden. „Wir werden unseren Onlinehandel massiv ausbauen“, sagte der Manager kürzlich in einem Interview. In diesem Bereich sei GKK bislang viel zu langsam und altbacken gewesen.

Nicht alle Branchenkenner sind allerdings so zuversichtlich wie der GKK-Chef. Der Handelsexperte Gerrit Heinemann von der Hochschule Niederrhein etwa beurteilt die Zukunftsperspektiven des Handelsriesen deutlich skeptischer. „Durch den Schuldenschnitt hat das Unternehmen jetzt einen kurzfristigen Wettbewerbsvorteil, eine Art Anschubhilfe. Aber das Grundproblem bleibt: Die Warenhäuser haben sich überlebt“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Vielleicht 30 bis 50 Warenhäuser in den Metropolen seien auf Dauer lebensfähig. Der Rest habe keine Zukunft. „Dinosaurier können vielleicht noch im Jurassic-Park überleben, aber nicht im hart umkämpften Einzelhandel.“

Tatsächlich leidet Galeria Karstadt Kaufhof nicht nur unter der Corona-Krise. Schon vor der Pandemie machten der Siegeszug des Onlinehandels und die seit Jahren sinkenden Besucherzahlen in den Innenstädten dem Konzern zu schaffen. Der Warenhausriese macht bislang nicht einmal fünf Prozent seiner Umsätze im Internet. Der Nachholbedarf auf diesem wichtigen Wachstumsmarkt ist also groß.

Die Gewerkschaft Verdi sieht die GKK-Geschäftführung angesichts der harten Einschnitte bei der Belegschaft nun in der Pflicht. „Die Geschäftsführung muss jetzt endlich ihre Hausaufgaben machen und das Geschäft so gut führen, dass das Unternehmen und die Arbeitsplätze gesichert sind“, verlangte der Bundesfachgruppenleiter Einzelhandel, Orhan Akman. Wenn dem Top-Management das nicht gelinge, müsse es gehen. „Nach diesen harten Einschnitten darf man gegenüber einer Geschäftsführung, die dabei versagt, keinerlei Gnade zeigen.“

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