Frankfurt /Main Zumindest einen bleibenden Eindruck sollten Deutschlands Fußballer bei der Weltmeisterschaft hinterlassen. „Wenn wir hier schon nicht gewinnen, dann treten wir ihnen wenigstens den Rasen kaputt“ – dieser markige Spruch des inzwischen gestorbenen früheren Fußball-Nationalspielers Rolf Rüssmann dürfe „nicht als leere Worthülse“ abgetan werden, mahnen die fußballbegeisterten Ökonomen der Dekabank in ihrer nicht ganz ernst gemeinten Analyse zu dem Turnier in Russland (14. Juni bis 15. Juli).

Sportlich stehen die Chancen zur Titelverteidigung für die DFB-Elf nicht schlecht, ermittelten die Deka-Volkswirte. Anhand früherer Turniere wurde mithilfe hochkomplexer Modellrechnungen die Wahrscheinlichkeit von Sieg oder Niederlage berechnet: „Auf Basis dieser Wahrscheinlichkeiten wurden 10 00 00 00 Turnierverläufe simuliert und ausgewertet.“

Das Ergebnis: Die Chance des Teams von Bundestrainer Joachim Löw, den Titel von 2014 zu verteidigen und zum fünften Mal Weltmeister zu werden, beträgt 7,3 Prozent. Nur Brasilien hat mit 7,7 Prozent Wahrscheinlichkeit etwas bessere Karten.

Allerdings: Treffsicher sind die Prognosen der Volkswirte nicht immer. 2014 waren sich viele Ökonomen einig, dass Gastgeber Brasilien als Turniersieger vom Platz gehen würde. Doch nach dem historischen 1:7 gegen den späteren Weltmeister Deutschland platzte für die Seleção schon im Halbfinale der Titeltraum.

Letztlich sei „der Einfluss des Zufalls (...) sehr groß, wird aber dennoch fast immer unterschätzt“, philosophierten Volkswirte der Berenberg-Bank und des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI) bereits zur Fußball-WM 2014. „Glück und Pech treten in ganz unterschiedlichem Gewand auf: in Form von Pfostentreffern, Fehlentscheidungen des Schiedsrichters oder Verletzungen wichtiger Spieler. Nicht selten weitet sich anfängliches Glück oder Pech zum berühmten ,Momentum‘ aus, das sich jedoch ebenso schnell wieder drehen kann.“

Auch die schier unerschöpflichen Fußball-Statistiken seien keine verlässliche Grundlage, stellen die Deka-Volkswirte in ihrer aktuellen Ausarbeitung ernüchtert fest: „Wie sehr (...) Statistiken in die Irre führen können, zeigt das Beispiel Englands, das immer wieder an Turnieren teilnehmen darf, ohne jemals ernsthaft Aussicht auf Erfolg zu haben.“

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Und egal wie sich das englische Team dieses Mal schlagen wird – die Börsenkurse wird das jedenfalls nicht beeinflussen. Davon ist zumindest Christian Klein, Professor für Unternehmensfinanzierung an der Universität Kassel, überzeugt: „Egal wie gut oder schlecht die Three Lions spielen, das lässt die Londoner Börse kalt.“ Das gelte auch für andere Nationen und Finanzmärkte.

Trotz aller gesunden Skepsis gegenüber Statistiken: Die Bilanz der diesjährigen deutschen Vorrundengegner Mexiko, Schweden und Südkorea führen die fußballbegeisterten Wirtschaftsexperten um Deka-Chefökonom Ulrich Kater gern zur Untermauerung ihres WM-Tipps an. „Machen wir uns nichts vor: Bei der Gruppenauslosung hatte Jogi Löw mal wieder den Papst in der Hosentasche. Es gibt keinen Zweifel am Gruppensieg der deutschen Nationalmannschaft.“

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