Frankfurt/Rom (dpa) - Italiens Nein zur Verfassungsreform lässt Sorgen vor einer Rückkehr der Euro-Schuldenkrise wieder aufflammen. Ökonomen sahen in der Niederlage von Ministerpräsident Matteo Renzi am Montag vor allem einen herben Rückschlag für das hoch verschuldete Land.

Einen Austritt Italiens aus dem Euroraum hielten sie zwar weiter für eher unwahrscheinlich - das Risiko sei nun aber gestiegen.

Das von manchen Experten befürchtete Beben an den internationalen Finanzmärkten blieb aber zunächst aus. Insgesamt war die Reaktion deutlich verhaltener als etwa bei der Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten im November oder beim Brexit-Votum Ende Juni.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble betonte, er sehe keine Gefahr für die Eurozone. "Es gibt keinen Grund, von einer Euro-Krise zu reden", sagte der CDU-Politiker bei einem Treffen der Euro-Finanzminister in Brüssel. Nach Ansicht von Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem hat das Nein der Italiener keine direkten ökonomischen Folgen: "Das ist ein demokratischer Prozess und ändert weder die wirtschaftliche Situation noch die Lage in den Banken."

Italien ist die drittgrößte Volkswirtschaft des gemeinsamen Währungsgebiets. Das Land weist nach Griechenland die höchste Schuldenquote - also das Verhältnis der Staatsverschuldung zur Wirtschaftsleistung - im Euroraum auf. Die italienische Wirtschaft schwächelt, die Banken sitzen auf einem riesigen Berg fauler Kredite, die Arbeitslosigkeit ist hoch. "Es steht zu befürchten, dass sich die Reformtätigkeit in Italien nun wieder verlangsamt. Und das wäre nicht nur für Italien eine bedenkliche Entwicklung", sagte Bundesbank-Präsident Jens Weidmann laut Redetext bei einer Veranstaltung in München. Er warnte zugleich vor Schwarzmalerei: "Ein Nein ist sicher nicht das Ende der Welt."

Die Deutsche Bank stellt sich auf unruhige Zeiten ein. Der Branche schlage "von außen unverändert eine kalte Brise entgegen", schrieb Deutsche-Bank-Chef John Cryan in einem am Montag veröffentlichten Brief an die Mitarbeiter des Dax-Konzerns. "Das Ergebnis des Referendums in Italien ist ein Vorbote für Turbulenzen, die gerade in Europa aus der Politik in die Wirtschaft getragen werden könnten."

Laut Ifo-Präsident Clemens Fuest wird sich die wirtschaftliche Stagnation in dem Land verlängern: "Die Wahrscheinlichkeit, dass Italien dauerhaft Mitglied der Eurozone bleibt, ist gesunken." ING-Diba-Chefvolkswirt Carsten Brzeski hielt Ängste vor einer neuen Krise indes für übertrieben: "Gestürzte Regierungen in Italien sind nun wirklich nichts Neues, und Europa hat schon Vieles überlebt." Aus Sicht von Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer hat das Land allerdings die Chance vertan, die politischen Voraussetzungen zur Lösung der wirtschaftlichen Probleme zu schaffen: "Italien bleibt ein Krisenkandidat."

Zumindest die Finanzmärkte zeigten sich zunächst relativ unbeeindruckt. Am Montag schloss der deutsche Leitindex Dax 1,63 Prozent höher bei 10 684,83 Punkten. Jedoch hatten sich die Anleger schon in der vorigen Woche auf eine Niederlage Renzis eingestellt - entsprechende Verluste waren die Folge gewesen.

Der Euro büßte nach der Rücktrittsankündigung des Sozialdemokraten zwar etwas an Wert ein, erholte sich anschließend aber deutlich. Die Gemeinschaftswährung stieg bis auf 1,0740 Dollar und erreichte damit den höchsten Stand seit Mitte November. Es gab zunächst auch keine Flucht in deutsche Staatspapiere, wie einige Experten wegen der andauernd hohen Verschuldung Italiens angenommen hatten.

An der Börse in Mailand gab es zum Start in die Handelswoche zunächst größere Verluste. Der Leitindex FTSE MIB schloss letztlich aber nur mit einem kleinen Minus. Besonders Aktien italienischer Banken verloren. Beim Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 stand hingegen letztlich ein Plus von 1,25 Prozent auf 3052,75 Zähler zu Buche.

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An den Märkten in Asien waren die Abschläge überschaubar. In Tokio schloss der Nikkei-Index für 225 führende Werte 0,82 Prozent schwächer bei 18 274,99 Punkten. Vor allem Finanzwerte gaben nach.

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