DAMME /WILDESHAUSEN Die Krise auf dem deutschen Schweinemarkt wegen hoher Preise für Futter und Energie dauert an: Fast jeder zehnte Betrieb hat binnen sechs Monaten aufgegeben, viele weitere wirtschaften in der Verlustzone. Die Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN/Damme) rechnet mit weiteren Betriebsaufgaben.

Besonders hart trifft es die Ferkelerzeuger. Seit etwa zwei Jahren seien für Ferkel keine kostendeckenden Preise auf dem Markt mehr zu erzielen, klagt etwa Friedrich Ahlers aus Wildeshausen im Landkreis Oldenburg. „Höhen und Tiefen haben wir immer gehabt, aber dass es so lange dauert, hatten wir noch nicht“, sagt der 58-Jährige, der seit 32 Jahren Schweine züchtet.

2007 seien die Futterpreise um etwa 70 Prozent gestiegen, erläutert Ahlers. Das seien rund zehn Euro pro Doppelzentner – eine Sau frisst im Schnitt zwölf Doppelzentner Futter im Jahr. „Wir haben die Hoffnung, dass es jetzt nach dieser Ernte (mit den Futterpreisen) ein wenig nach unten geht.“

In den vergangenen Wochen habe sich die Lage bereits etwas entspannt: Bei einem Preis von rund 43 Euro mache er nur noch einen Verlust von zehn Euro pro Tier – vorher seien es bis zu 25 Euro Minus gewesen. „Wir benötigen aber 70 Euro an Erlös für ein 25-Kilogramm-Ferkel.“

„Die Misere dauert nun schon fast anderthalb Jahre“, sagt ISN-Geschäftsführer Detlef Breuer in Damme (Kreis Vechta). Das führe dazu, dass jetzt die Finanzmittel bei vielen aufgebraucht seien. „Die Reserven sind ausgeschöpft, nicht nur bei uns, sondern bei fast allen Betrieben“, sagt Ahlers. Zwar betreibe er neben der Ferkelerzeugung mit 1400 Sauen noch Ackerbau und eine Biogasanlage. „Das Loch konnten wir aber nicht stopfen. Wir mussten auch einen Kredit aufnehmen.“

Laut Statistischem Bundesamt ist die Zahl der Schweinehalter zwischen November 2007 und Mai 2008 bundesweit um knapp 7000 Betriebe auf 73 000 gesunken. Dabei werde die Zahl derer, die aufgeben, „mit Sicherheit“ noch steigen, meint Breuer.

Pro Kilo Schlachtgewicht bekommen die Schweinemäster ISN-Angaben zufolge derzeit etwa 1,80 Euro. Das rechne sich, „weil die Ferkel so billig sind“, sagt Breuer. Schweinemäster bekämen somit die hohen Futterkosten vergütet, allerdings auf Kosten der Ferkelerzeuger. Wenn die Ferkel einen angemessenen Preis erzielen sollen, müsste der Kilopreis für Schweine bei zwei Euro liegen.

Ein Problem sei, dass es bei Ferkeln derzeit ein Überangebot auf dem deutschen Markt gebe. Das liege besonders an einem Angebotsdruck aus Dänemark und den Niederlanden. „Es ist im Moment eine Art Verdrängungswettkampf, der hier stattfindet, und wir machen uns Sorgen um die heimische Ferkelerzeugung“, sagt Breuer.

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Als Maßnahme zur Kostenentlastung für die Bauern rief der Deutsche Bauernverband (DBV) kürzlich Bundesagrarminister Horst Seehofer (CSU) dazu auf, die Verfütterung von tierischen Fetten an Schweine rasch zuzulassen. DBV und ISN kritisieren zudem die „Null-Toleranz“-Haltung der EU im Umgang mit hier noch nicht zugelassen genetisch veränderten pflanzlichen Futtermitteln. Weitere Hoffnung setzen die Landwirte auf den Export in Länder wie China, Südkorea, Südafrika, Japan und Russland. „Wir brauchen diese Zukunftsmärkte“, erklärt Breuer.

„Ich denke, dass wir Licht am Ende des Tunnels sehen können“, sagt er. Die Preise haben in den vergangenen Monaten bereits angezogen. „Das hilft uns schon ein bisschen – nur: Minus ist immer noch Minus.“ Die Börsendaten zeigten aber, dass zum Jahresende kostendeckende Ferkelpreise erreicht werden könnten. „Bis dahin gilt es noch, die Durststrecke zu überwinden.“

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