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Ganderkesee-Habbrügge Nasse Weiden können auch ihr Gutes haben. Wenn sie ständig zu feucht sind, baggert man sie einfach aus und macht Angelteiche daraus. So jedenfalls hat es Landwirt Kurt Abel 1973 mit einem Teil seiner Weiden im Ganderkeseer Ortsteil Habbrügge (Kreis Oldenburg) gemacht. In und an den Teichen hat er Forellen gezüchtet, gemästet, teilweise geräuchert und alles „ab Teich“ verkauft. Und heute? 40 Jahre später ist die Forellen-Abel GmbH Deutschlands größter Verarbeiter von Lebendfisch.

Internationale Gewässer

Die kleine Landwirtschaft, 20 Hektar, mit Kühen, Schweinen und Hühnern ist längst aufgegeben. Heute verarbeitet und verkauft der Fisch-Betrieb mit bis zu 85 Mitarbeitern rund 4000 Tonnen lebendfrischen Süßwasserfisch, vor allem Forellen und Lachsforellen, berichtet Junior Peter Abel. 80 Prozent aller Händler in Deutschland sowie Kunden in Österreich, Dänemark und den Niederlanden verkaufen Fisch aus Ganderkesee. Den Marktanteil im Lebenshandel beziffert er mit etwa 40 Prozent. „Die Zucht haben wir bald wieder aufgegeben; die Mengen wurden zu groß. Ebenso die zwischenzeitlich betriebenen Fischfachgeschäfte, bis auf die Verkaufsstelle auf unserem Hof in Habbrügge; hier wurde die Konkurrenz der Supermärkte zu groß“, erklärt Peter Abel. Heute kauft Abel ausgewachsene Forellen in Dänemark, Polen, Schottland, Frankreich und bringt sie in Spezial-Lastern nach Ganderkesee. „Etwa 20 Prozent verkaufen wir lebend weiter: an andere Verarbeitungsbetriebe oder Hobbyangler für deren Teiche“, erzählt der 39-jährige Betriebswirt, der mit seinem Vater, aber auch seiner Mutter und seiner Frau den Betrieb führt: „Wir sind ein klassischer Familienbetrieb.“

Der größte Teil der eingekauften Lebendfische wird zwischengelagert und dann nach Bedarf – also Auftragseingang – geschlachtet, filetiert und europaweit ausgeliefert. Rund 150 Kunden werden so täglich beliefert – darunter die ganz großen wie Deutsche See, Metro, Transgourmet Seafood (Rewe) oder Edeka. Um mit dem Bedarf Schritt halten zu können, wurde immer wieder kräftig investiert: 1999 in eine große Schlachthalle, damals verarbeitete man 300 Tonnen Fisch pro Jahr; 2005 in einen kompletten Neubau, da lag die Verarbeitungsmenge bei 800 Tonnen und der Neubau erweiterte die Kapazität auf gut 2000 Tonnen. Und schließlich 2013 in eine weitere Halle, inzwischen werden über 3000 Tonnen verarbeitet. „Mehr geht hier am Standort Habbrügge räumlich nicht“, so Peter Abel.

Drei Millionen Euro für zwei Schlachtlinien und eine Filetierlinie flossen 2013 in die Investition. „Wir haben aber auch immer in die Hygiene und vor allem in die Zertifizierung investiert. Allein die wichtige IFS-Zertifizierung kostet uns etwa 100 000 Euro pro Jahr“, berichtet Abel-Junior – inzwischen gibt es mit Sohn Max auch schon den Junior-Junior.

Und damit ist er beim Erfolgsgeheimnis des Betriebs: Qualität und Flexibilität. Viele Mitbewerber hätten die Zertifizierungen nicht mitgemacht und so Kunden verloren. Und kaum einer liefert so schnell wie Abel. „Wenn wir um 6 Uhr einen Auftrag bekommen, können wir bis spätestens 11 Uhr zur großen Verteildrehscheibe nach Bremerhaven liefern, von wo die Ware dann in die Geschäfte, Gaststätten oder Betriebsküchen geht. Unsere Ware ist frisch noch am selben Tag beim Endkunden. Die vielleicht preiswerteren Italiener und Spanier brauchen drei bis vier Tage“, beschreibt Peter Abel nicht ohne Stolz das Geschäftsmodell. So beginnt der Arbeitstag in Habbrügge auch schon nachts um 4.30 Uhr. Und ab 7 Uhr fahren die Lastwagen und Kleintransporter vom ehemaligen Bauernhof.

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Appetit auf mehr

Potenzial für eine weitere Steigerung des Fisch-Konsums in Deutschland sieht Peter Abel durchaus – auch wenn Fisch meist etwas teurer ist als Fleisch. Bei dieser optimistischen Einschätzung setzt er auf Discounter, Supermärkte und neue Verpackungsformen. Und können die Abels überhaupt noch Fisch sehen? Beruflich allemal: „Wenn man die Erfolge sieht, macht es einfach Spaß“, sagt Peter Abel. Und in der heimischen Küche? „Drei bis vier Mal in der Woche gibt es bei uns schon Fisch“, erzählt der 39-Jährige. Er esse aber gern auch mal ein gutes Stück Fleisch.

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