Oldenburg Donnerstag, Ruhetag in der neuen veganen Snackbar am Damm. Frei hat die „Veggiemaid“ trotzdem nicht. Stefanie Coors (32), in Oldenburg bekannt für ihren Supermarkt in der Gartenstraße, ist meistens schon um 4 Uhr morgens, 16 Stunden am Tag, auf den Beinen. „Wir bereiten unsere Angebote frisch zu. Das heißt auch, dass ich oft früh in der Küche stehe, um Kartoffeln für 20 Liter Suppe zu schälen“, sagt sie. In der Snackbar, dem neuen, zusätzlichen Standbein der Jungunternehmerin, gibt es Frühstück, Kuchen und jeden Tag einen Mittagstisch.

Das bedeutet viel Arbeit. Heute hat Stefanie Coors sich Zeit genommen für eine Tasse Kaffee, mit Sojamilch. „Wunder dich nicht, wenn die Milch flockt“, sagt sie. „Daran erkennt man die Nicht-Veganer.“ Sie selbst ist seit vier Jahren Veganerin. Vegan, das ist tierfreie Ernährung – und eine Weltanschauung drumherum, die immer mehr Anhänger findet. Deshalb wächst auch der entsprechende Markt.

„Früher habe ich meine Lebensmittel online bestellt“, erzählt Coors. „Um Kosten zu sparen, habe ich mich mit anderen Veganern zusammengetan.“ Daraus müsste man mal ein Geschäft machen, dachte sie sich – und setzte den Gedanken in die Tat um: Im Februar 2013 eröffnete die ehemalige Erzieherin ihren Oldenburger Supermarkt „Veggiemaid“.

Mit 160 Produkten ging sie ins Rennen, mittlerweile bietet sie mehr als 2000 vegane Lebensmittel an. „Von Woche zu Woche wurden es mehr“, erzählt die Chefin. „Zigmal habe ich nachts wieder alle Regale umgestellt.“ Und ein Onlineshop wurde eingerichtet – alles viel Arbeit, bei der Coors privat zurückstecken muss. Eine Balance zwischen Arbeit und Freizeit zu finden, ist überhaupt die größte Gründungs-Herausforderung.

Schon früher hatte die Gründerin von einem kleinen, veganen Café geträumt. Jetzt setzte die Supermarktbetreiberin das Vorhaben um, am Damm in Oldenburg.

Im Herbst stolperte sie über eine Immobilien-Anzeige. Nur mal so schaute sie sich das leerstehende Ladenlokal an und stellte fest: „Leider geil!“ Sie sagte zu und kümmerte sich in Windeseile um die Finanzierung ihres Traums. Ihr Bankberater, der sie schon beim Supermarkt unterstützt hatte, habe kurz gezweifelt, dann aber schnell ein Treffen vereinbart. „Am Wochenende war ich auf einer Messe, auf der Hinfahrt schrieb ich den Businessplan, auf der Rückfahrt die Kalkulation.“ Am Montag wurde ihre Spontaneität belohnt: Die Bank übernahm die Finanzierung. Die Steuerberaterin hielt die Pläne für realistisch.

„Ich komme aus einer sehr fleischlastigen Familie“, erzählt Coors. Vor über fünf Jahren entschied sie, sich nur noch vegetarisch zu ernähren, schließlich nur noch vegan.

„Mein jetziger Freund isst seit 20 Jahren vegetarisch. Er ist ein Held in der vegetarischen Küche. Ein Glücksgriff!“ Erst lebten die beiden nur zu Hause vegan, aßen auswärts aber auch mal Pizza mit Käse. Mittlerweile bringt Coors ihren veganen Ersatzkäse zum Stamm-Pizzabäcker mit.

Stefanie Coors zog ihre Geschäftsidee durch. Motto: „Nicht schnacken, machen!“

Vor ihrer Firmengründung „Veggiemaid“ hatte sie keine Ahnung von Betriebswirtschaft. Um einen Businessplan zu schreiben, suchte sie sich Vorbilder im Internet und führte in der Fußgängerzone eine Strichliste, wie viele Leute in Geschäfte gingen. Um die Zahl ihrer Kunden einschätzen zu können. Es funktionierte, die Finanzierung über die Förderbank lief problemlos – keine Selbstverständlichkeit bei Existenzgründungen. Auch bekam sie einen Gründerzuschuss der Stadt. Einen weiteren Teil der rund 50 000 Euro erbrachte die „Veggiemaid“ selbst.

„Der Bedarf an veganen Lebensmitteln ist da“, beschreibt die Unternehmerin ihr Marktpotenzial. Die Oldenburger Szene sei nicht klein. Statt großer Gewinne galt aber auch bei ihr: „Alle Umsätze sind sofort wieder in den Laden geflossen.“ In Edelstahlplatten, Regale, Töpfe.

Von 25 Lieferanten bezieht Stefanie Coors ihre Produkte, acht Mitarbeiter beschäftigt sie in Snackbar und Laden. Darunter ist ihre Mutter. „Da weiß ich, was ich habe.“

Für die Snackbar sammelte Coors auch Geld per Crowd-funding über „Startnext“. Rund 160 Leute unterstützen über die Online-Plattform das Projekt, 7500 Euro kamen zusammen. Die Eröffnung am 11. Oktober sei der „Oberknaller“ gewesen, freut sich die Oldenburger Unternehmerin. Von morgens um 10 bis abends um 22 Uhr hatte Stefanie Coors geöffnet. Ihr Vater lieferte immer wieder Lebensmittel, die Chefin und ihr Team produzierten nach. Ob das Geschäft langfristig läuft, wird sich zeigen. „Es muss irgendwann auch was für mich übrig bleiben“, sagt die 32-Jährige – Geld und Freizeit.

Mittag, die Kaffeetasse in der Snackbar ist leer. So flockig war die Sojamilch gar nicht. Eine alte Frau, die eher nach Sonntagsbraten mit Rotkohl und Knödeln aussieht, schaut vorbei. „Haben Sie heute geöffnet?“ „Nein, heute ist Ruhetag.“ Die Flyer sind schnell ausgetauscht. „Dann komm ich mal mit meinen Nichten vorbei, die ernähren sich nämlich vegan“, sagt die Frau.

Vom Punker bis zum Schlipsträger – die Bandbreite der Kunden ist groß. Coors’ nächstes Ziel: Sie würde in der Snackbar gerne zwei Tagesgerichte anbieten, auf Dauer vielleicht mehr Platz schaffen.

Ach ja: Und ein freier Tag pro Woche wäre schon schön, meint die Unternehmerin.


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Inga Wolter stv. Ltg. / Online-Redaktion
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