Frankfurt Am Main /Rom Nach der Niederlage des italienischen Ministerpräsidenten Matteo Renzi beim Verfassungsreferendum wächst die Sorge um die drittgrößte Volkswirtschaft in der Eurozone.

Ökonomen sahen in dem Ausgang des Volksentscheids einen herben Rückschlag für das hoch verschuldete Land. Die deutsche Industrie warnte am Montag vor neuen Unsicherheiten für Europas Wachstum und den Euro. Das von manchen Experten befürchtete Beben an den internationalen Finanzmärkten blieb zunächst jedoch aus - insgesamt war die Reaktion deutlich verhaltener als etwa bei der Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten oder beim Brexit-Votum.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) betonte, er sehe keine Gefahr für die Eurozone. „Es gibt keinen Grund, von einer Euro-Krise zu reden“, sagte er bei einem Treffen der Euro-Finanzminister in Brüssel. Nach Ansicht von Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem hat das Nein der Italiener keine direkten wirtschaftlichen Auswirkungen: „Das ist ein demokratischer Prozess und ändert weder die wirtschaftliche Situation noch die Lage in den Banken.“

Die italienische Wirtschaft schwächelt jedoch, die Banken sitzen auf einem riesigen Berg fauler Kredite, die Arbeitslosigkeit bleibt hoch. Einen Austritt des Landes aus dem Euroraum halten Volkswirte zwar noch für eher unwahrscheinlich - das Risiko sei nun aber gestiegen.

Laut Ifo-Präsident Clemens Fuest wird sich die wirtschaftliche Stagnation verlängern: „Die Wahrscheinlichkeit, dass Italien dauerhaft Mitglied der Eurozone bleibt, ist gesunken.“ ING-Diba-Chefvolkswirt Carsten Brzeski hielt Sorgen vor einer neuen Krise für übertrieben: „Gestürzte Regierungen in Italien sind nun wirklich nichts Neues, und Europa hat schon Vieles überlebt.“ Aus Sicht von Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer hat Italien die Chance vertan, die politischen Voraussetzungen zur Lösung der wirtschaftlichen Probleme zu schaffen: „Italien bleibt ein Krisenkandidat.“

Rom dürfe weitere Reformen nicht aufschieben, mahnte der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Ulrich Grillo. Deutschlands Maschinenbauer zeigten sich besorgt, „dass innenpolitische Konflikte in EU-Ländern immer häufiger zu einer Belastung für die gesamte europäische Wirtschaft werden“.

Zumindest die Finanzmärkte zeigten sich vorerst allerdings relativ unbeeindruckt. In Frankfurt legte der Dax bis zum Mittag um 1,41 Prozent auf 10 661,52 Punkte zu. Jedoch hatten sich die Anleger schon in der vorigen Woche auf eine Niederlage Renzis eingestellt - entsprechende Verluste waren die Folge gewesen.

Der Euro büßte nach der Rücktrittsankündigung des Sozialdemokraten zwar etwas an Wert ein, erholte sich anschließend aber wieder deutlich. Am frühen Morgen war es zeitweise noch zu höheren Verlusten gekommen, der Kurs der Gemeinschaftswährung fiel auf 1,0506 US-Dollar und damit den tiefsten Stand seit März 2015. Bis zum Mittag berappelte sich der Euro dann jedoch bis auf 1,0644 Dollar. Es gab zunächst keine Flucht in deutsche Staatspapiere, wie einige Experten wegen der anhaltend hohen Verschuldung Italiens angenommen hatten.

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An der italienischen Börse gab es zum Start in die neue Handelswoche ein größeres Minus. Der Leitindex FTSE MIB rutschte anfangs um 2,02 Prozent ab, vor allem Bankaktien waren betroffen. Beim Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 stand am Montagmittag ein Plus von 1,26 Prozent auf 3053,23 Zähler zu Buche.

An den Märkten in Asien waren die Abschläge überschaubar. In Tokio schloss der Nikkei-Index für 225 führende Werte 0,82 Prozent schwächer bei 18 274,99 Punkten. Vor allem Finanzwerte gaben nach.

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