Ludwigshafen Der mächtige Chemie-Arbeitgeberverband hat am Freitag einstimmig eine Frau an die Spitze gewählt – ein Novum für die Industrie mit ihren 550 000 Beschäftigten. Margret Suckale, Vorstandsmitglied bei der BASF und bisher Verbands-Vize-Chefin, wird den Chemieverband künftig als Präsidentin führen.

Suckale hat sich bundesweit einen Namen erkämpft als Personalchefin der Bahn, die sie auch im beinhart geführten Tarifstreit mit den Lokomotivführern 2007/2008 vertrat. Zum weltgrößten Chemiekonzern BASF stieß die 57-Jährige vor vier Jahren. 2011 zog sie als erste Frau in der Unternehmensgeschichte in den Vorstand des Branchenprimus ein. Zuständig ist die Managerin unter anderem für das Personal. Zugleich verantwortet sie als Standortleiterin den BASF-Stammsitz in Ludwigshafen, der als größtes Chemiegelände der Welt gilt.

Neben Suckale gab es bisher nur wenige Frauen, die in der Welt der Verbände das Sagen hatten – darunter Gabriele Sons, die von 2010 bis 2012 Hauptgeschäftsführerin beim Arbeitgeberverband Gesamtmetall war und Erika Emmerich, die von 1989 bis 1996 als Präsidentin dem Verband der Automobilindustrie (VDA) vorstand. Als erste Frau an der Spitze einer DGB-Gewerkschaft hat sich Monika Wulf-Mathies in den 80er Jahren hervorgetan. Zwölf Jahre führte sie die Gewerkschaft Öffentliche Dienste, Transport und Verkehr (ÖTV), die später in der Dienstleistungsgewerkschaft „Verdi“ aufging.

Die Wahl der BASF-Managerin Suckale macht Frauenverbänden Hoffnung auf mehr: „Die Verbandswelt ist eine ausgesprochene Männerdomäne. Wenn dort jetzt eine Frau an die Spitze gewählt wird, ist das eine wichtige und richtige Entscheidung, und sie war überfällig“, sagt Monika Schulz-Strelow, Präsidentin der Initiative Frauen in die Aufsichtsräte (FidAR). Zu hoffen sei, dass Suckale als Vorbild wirke: „Nach Frau Suckales Wahl wird sicher der eine oder andere Verband sagen, da gibt es jetzt die eine und es klappt, dann können wir uns das auch trauen.“

Ein solcher Impuls kann nach Zahlen von FidAR nicht schaden: Demnach steigt die Zahl der Frauen in den Führungsetagen der 160 börsenorientierten Top-Unternehmen zwar, aber nur äußerst langsam. Zwölf Jahre nach der Selbstverpflichtung der Wirtschaft, mehr Frauen in Aufsichtsräte und Vorstände zu berufen, lag ihr Anteil Ende März bei 11,1 Prozent.

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Eine Frau allein kann laut Schulz-Strelow allerdings nicht viel ausrichten: „Studien zeigen, dass erst, wenn zwei bis drei Frauen Teil eines Gremiums sind, sie nicht mehr als Frauen, sondern als normale Gesprächsteilnehmer wahrgenommen werden.“ Wünschenswert wäre deshalb, dass wenigstens jeder dritte Aufsichtsratsposten mit einer Frau besetzt wäre.

Nach dem Aus für die Aufsichtsrats-Frauenquote im Bundestag sei Suckales Wahl ein besonders wichtiges Signal, sagt auch Elke Holst, Forschungsdirektorin für Gender Studies am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW): „Ohne größeren Druck fürchte ich, nehmen die Anstrengungen wieder ab. Das wäre fatal, denn die Unternehmen müssen vorsorgen für den demografischen Wandel.“ Das gelte auch aus Sicht der Frauen: „Junge Frauen brauchen viel mehr weibliche Vorbilder.“ Und je mehr Frauen es in Spitzenpositionen schafften, umso besser könnten sie den Weg für andere ebnen.

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