OLDENBURG /WILDESHAUSEN /BERLIN Manager sehen erheblichen Mehraufwand. Infos würden an ihnen vorbeigehen.

Von Rüdiger zu Klampen OLDENBURG/WILDESHAUSEN/BERLIN - In der Wirtschaft wächst die Unzufriedenheit mit den Plänen des Bundesjustizministeriums, die wichtigen Handelsregister-Informationen künftig aus den Tageszeitungen zu verbannen und sie nur noch im Internet zu veröffentlichen. Für Handwerksbetriebe etwa sei die Zeitung einzige verlässliche Form der Informationsbeschaffung in der Region, stellt die Vereinigung der Handwerkskammern Niedersachsen (VHN/Hannover) klar. Dies betreffe insbesondere eventuelle Zahlungsausfälle wegen drohender Insolvenz.

Das Berliner Ministerium beruft sich auf eine EU-Richtlinie, die umzusetzen sei und ab 2007 eine elektronische Abrufbarkeit der Daten vorgebe. Doch nicht vorgegeben wurde, die beliebte gedruckte Version abzuschaffen. Das Europäische Parlament hatte sich sogar ausdrücklich dafür ausgesprochen, die Pflichtveröffentlichung in der Zeitung langfristig beizubehalten. „Die Bundesregierung schießt über das Ziel hinaus“, kritisiert der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV).

Und er verweist auf einen entscheidenden Vorteil: „Gerade die für die regionale Wirtschaft bedeutsamen Handelsregistereintragungen werden durch die Zeitung vor Ort einer größtmöglichen Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt.“ Die hohe Reichweite werde von der Bundesregierung schlichtweg ignoriert.

Wenn die Handelsregisterinformationen nicht mehr in der Zeitung erscheinen, würden sie für ihn wohl „als Informationen verloren“ sein, sagt Werner zu Jeddeloh, Geschäftsführer der Oldenburger Büfa-Gruppe. Er lese diese Seiten „immer gründlich durch“, um mitzubekommen, was sich in der Wirtschaft verändert: welche Verschmelzungen, Firmensitz-Verlagerungen, neuen Geschäftsführungen oder Prokuren es zum Beispiel gebe. Die Informationen eines Tages elektronisch selektieren und abrufen müssen – das würde er wohl kaum tun, schätzt zu Jeddeloh. Dafür werde ihm wohl die Zeit fehlen. Kritiker der Neuregelung merken dazu an, dass im Internet der Nutzerkreis auf jene Profis zusammenschrumpfen würde, die gezielt online nach den Informationen suchen. Denn es gebe dort Infos nur auf Abruf.

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Es drohe ganz klar eine weitere erhebliche Verschlechterung im Umgang mit Handelsregister-Informationen, die gerade für den Finanzsektor so wichtig seien, befürchtet Rolf-Lothar Klawonn, Vorstand der Volksbank Wildeshauser Geest in Wildeshausen. Bei den Regierungsplänen zum Handelsregister werde auch einfach vorausgesetzt, „dass jeder alles hat: Computer, Software, Internet-Provider“. Das gebe es aber nicht zum Nulltarif, was gern verschwiegen werde. Die Tageszeitung sei aber in den meisten Haushalten bereits vorhanden. Er selbst nutze das Internet am Arbeitsplatz eher wenig, sagte Klawonn.

Es drohe deshalb: „Wer kein Internet nutzt, ist draußen“, mahnt der BDZV. Zurzeit nutzen etwa 80 Prozent der Unternehmen die Handlesregister-Anzeigen. Das ergab eine Studie des Hamburger Instituts BIK. Erster Erfolg: Der Bundesrat hat sich bei der Besprechung des so genannten Gesetzes über das Elektronische Handelsregister und das Unternehmensregister dafür ausgesprochen, die bundesweite Publizitätspflicht bis 2009 zu verlängern. Auch das Handwerk fordert eine zumindest fünfjährige Übergangsfrist. Ende Mai soll das Thema in den Bundestagsausschüssen behandelt werden. Noch vor der Sommerpause soll der Bundestag entscheiden.

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