Emden /Wolfsburg Elektroautos statt Passat? Im Volkswagen-Konzern gibt es offenbar Überlegungen, das Emder VW-Werk völlig neu aufzustellen. Wie das „Handelsblatt“ am Dienstag berichtete, könnte die Passat-Produktion an dem ostfriesischen Standort auf absehbare Zeit völlig eingestellt werden. Im Gegenzug könnte das Emder Werk nach dem sächsischen Zwickau zur zweiten deutschen Produktionsstätte ausschließlich für Elektro-Autos umgerüstet werden.

Volkswagen wollte diese Pläne auf Nachfrage nicht kommentieren. Wie diese Zeitung aus Branchenkreisen erfuhr, steht das Thema aber in der Tat ganz weit oben bei der nächsten Volkswagen-Aufsichtsratssitzung Ende kommender Woche. Dort entscheidet der Konzern über die Investitionsplanung für die nächsten zehn Jahre.

Sinkende Nachfrage

Schon seit einiger Zeit macht dem Emder VW-Werk die sinkende Nachfrage nach dem Erfolgsmodell Passat zu schaffen. Wegen des Nachfragerückgangs hatte VW für die zweite Jahreshälfte bereits mehrere Tage Kurzarbeit beantragt. Dazu kamen mehrere Tage verlängerter Werksurlaub sowie zwei Tage Produktionspause Anfang Oktober. Erst am Montag hatte VW mitgeteilt, dass an weiteren sieben Tagen im November die Bänder stillstehen werden – dieses Mal wegen fehlender Dieselmotoren.

Ursprünglich sollten in Emden in diesem Jahr 250 000 Fahrzeuge gefertigt werden. Mittlerweile geht man bei VW davon aus, dass es weniger als 230 000 werden könnten.

Da 2019 weitere Stillstände im Emder Werk mit seinen rund 9000 Beschäftigten drohen, gibt es bereits Überlegungen, dass ein Teil der Emder Belegschaft künftig an die schwäbische VW-Tochter Porsche ausgeliehen werden könnte. Ein VW-Sprecher in Emden bestätigte am Dienstag zumindest, dass eine entsprechende Anfrage vorliegt. Die VW-Tochter Porsche hatte erst vor wenigen Tagen angekündigt, dass sie mehr Personal für den Bau ihres ersten reinen Elektroautos benötige.

Viele Gedankenspiele

Wegen der angespannten Lage gibt es schon seit längerer Zeit Überlegungen bei VW, wie das Emder Werk besser ausgelastet und gleichzeitig die Abhängigkeit vom Passat verringert werden könnte. So gab es etwa Gedankenspiele, SUVs für die USA oder ein Skoda-Modell in Ostfriesland zu fertigen. Doch dies wären keine langfristigen Lösungen gewesen.

Solch eine langfristige Lösung könnte indes der Umbau zu einem Werk ausschließlich für E-Autos sein. Und noch aus einem anderen Grund könnte das Emder Werk zu einem Standort mit Modellcharakter für VW werden. Wie das „Handelsblatt“ am Dienstag weiter berichtete, könnte die von Windparks umgebene Fabrik so umgerüstet werden, dass die Produktion mithilfe von Windenergie vollständig CO2-neutral ausgelegt wird. VW verspreche sich davon auch einen Imagegewinn. „Darüber wird diskutiert“ zitierte das Blatt einen Topmanager des Konzerns.

Jörg Schürmeyer Redakteur / Wirtschaftsredaktion
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