Dresden Mit feinen Pinselstrichen malt Ulrich Mehner Blüte um Blüte auf die fast einen Meter hohe und mehr als 80 Kilogramm schwere Vase. Aus der grünlich-grauen Farbe wird nach dem Brand das typische Kobaltblau, für das die Porzellan-Manufaktur Meissen bekannt ist.

Rund drei Wochen braucht allein Mehner für sein Blütendekor, bevor die Vase gebrannt wird und dann Dutzende Porzellanmaler auf die Glasur 130 Motive aus 300 Jahren Manufaktur-Geschichte zu einer modernen Collage zusammenfügen. „Die Vase ist etwas Besonderes, ein Kaleidoskop der verschiedenen Künste“, sagt Mehner.

Zugleich ist die Kratervase, wie das imposante Porzellanstück genannt wird, ein Symbol für die Neuausrichtung des Traditionsunternehmens: Zurück zum Porzellan, zur kunstvollen Porzellanmalerei – mit modernen Elementen. „Alles, was Meissen zu bieten hat, ist darauf vereint“, sagt Geschäftsführer Georg Nussdorfer, zuständig für Marketing und Vertrieb. Wenn er und der zweite Chef, Tillmann Blaschke, über den laufenden Umbau sprechen, fällt immer wieder ein Schlagwort: „Moderne Opulenz“. „Da kommen wir her, da wollen wir hin, das ist unser Kern.“

Alles Handarbeit

Dahinter verbergen sich die Wurzeln der gut 300 Jahre alten Manufaktur im Barock – und der Spagat, das angeschlagene Unternehmen in die Zukunft zu führen. Der Trend gehe hin zu frischer und üppiger Dekoration, darin sieht Meissen eine große Chance. „Wir bekennen uns zu unserer Tradition, wollen aber auch die Reise nach vorn antreten. Es gilt zu zeigen, dass Meissen auch modern ist“, sagt Blaschke.

Bei der Kratervase, die 1856 das erste Mal hergestellt wurde und nun erstmals seit vielen Jahren wieder, scheint der Plan aufzugehen: Für das 350 000 Euro teure Stück liegen weltweit elf Bestellungen vor. Weil nur ein bis zwei Vasen pro Jahr gefertigt werden, müssen sich Sammler schon jetzt bis zu fünf Jahre gedulden. Allein der Brennprozess dauert drei Wochen: Eine Woche lang wird der Ofen aufgeheizt, eine Woche wird die Vase gebrannt, eine Woche langsam abgekühlt, damit keine Risse im Porzellan entstehen. Monate dauert es, bis sich die 29 Porzellanmaler auf der Vase verewigt haben.

Europas älteste Porzellan-Manufaktur mit Gründung 1710 steckt im Wandel, nachdem der Umbau zum Luxuskonzern unter dem ehemaligen Chef Christian Kurtzke scheiterte. Dieser ließ auch Schmuck, Kleidung und Accessoires fertigen. Das Konzept misslang, die Manufaktur häufte Millionen-Verluste an – allein im Vorjahr lag das Minus bei rund fünf Millionen Euro. Mit dem 2017 angekündigten Kurswechsel will das Unternehmen ab 2021 wieder schwarze Zahlen schreiben. „Im Umkehrschluss heißt das: Bis dahin wird es noch Verluste geben“, erklärt Blaschke.

Das Sortiment bekam inzwischen eine Frischekur, die Produktion wurde nach Unternehmensangaben effizienter gestaltet. Rund 60 Arbeitsplätze fielen weg – vor allem durch Altersabgänge und Altersteilzeit.

Immer wieder wird Kritik laut, dass Millionen von Steuergeld in die Manufaktur fließen, deren alleiniger Gesellschafter Sachsen ist. Die Darlehen an die Manufaktur belaufen sich mittlerweile auf 22 Millionen Euro und sollen nach Angaben des Finanzministeriums ab 2021 über zehn Jahre zurückgezahlt werden. Eine weitere finanzielle Unterstützung sei derzeit nicht vorgesehen, hieß es im Ministerium.

Neu aufstellen

In diesem Jahr ist ein neues Geschäft in der Dresdner Innenstadt hinzugekommen, zudem wurden Webshop und Internetseite neu gestaltet, das Logo überarbeitet. 2019 sollen mithilfe von Influencern mehr junge Menschen für Porzellan begeistert werden. Zur neuen Strategie gehört auch die Erschließung internationaler Märkte. In Japan und Taiwan sind die Produkte mit den blauen Schwertern im Wappen gefragt.

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