Davos Der Unterschied zwischen Arm und Reich in der Welt ist laut der Hilfsorganisation Oxfam weiterhin dramatisch hoch. Auch die Vermögenskonzentration habe an der Spitze 2019 weiter zugenommen, betonte die Organisation bei der Vorstellung ihres Ungleichheitsberichts kurz vor Beginn der Jahrestagung des Weltwirtschaftsforums (WEF/21. bis 24. Januar) in Davos.

Oxfam beruft sich dabei u.a. auf die Finanznachrichtenagentur Bloomberg, deren Angaben zufolge das Vermögen der 500 reichsten Menschen der Welt im Vorjahr um ein Viertel gestiegen ist. Vor allem auch zwischen Frauen und Männern ist der Wohlstand Oxfam zufolge ungleich verteilt. Demnach besitzen Männer 50 Prozent mehr Vermögen als Frauen.

Oxfam fordert von der Bundesregierung, mehr in öffentliche Kinderbetreuung und soziale Absicherung in armen Ländern zu investieren, sowie weltweit Frauenrechte und -organisationen zu stärken.

Ein Grund für die Ungleichheit zwischen den Geschlechtern ist der diesjährigen Studie „Time to Care“ (deutsch etwa „Zeit, sich zu kümmern“) zufolge von Frauen geleistete Arbeit zu Hause – wie etwa Kinderbetreuung, Pflege von Angehörigen oder Sorge für den Haushalt.

Der Einfluss von sogenannter Care-Arbeit auf Einkommen, Vermögen, Bildungschancen und Armutsgefährdung erfahre im Zusammenhang mit Ungleichheit zu wenig Aufmerksamkeit, sagte Ellen Ehmke, Analystin für soziale Ungleichheit bei Oxfam Deutschland. „Wir sollten den Wert dessen anerkennen.“

„Der direkte Zusammenhang zwischen Vermögensungleichheit und Care ist, dass Frauen viel weniger Vermögen aufbauen können über ihr Leben, weil sie einen Großteil ihrer Arbeit in unbezahlter Pflege und Fürsorge leisten“, sagte Ehmke. Die Klimakrise verschärfte die Situation – unter anderem weil etwa Wege zu Wasserstellen länger werden oder der Anbau von Gemüse schwieriger werde.

Auch in reicheren Ländern wie Deutschland verschärfe die vornehmlich von Frauen geleistete Fürsorgearbeit die Ungleichheiten im Wohlstand. Solange es nicht ausreichend öffentliche Angebote gebe etwa für Kinderbetreuung, könnten in Familien mit hohem Einkommen beide Eltern viel früher wieder arbeiten gehen, als in Familien mit niedrigerem Einkommen. Dadurch werde die Ungleichheit zwischen Haushalten noch weiter vertieft.

Unterdessen wird die Weltwirtschaft nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) etwas an Schwung gewinnen. Die Experten erwarten vor dem Forum in Davos 3,3 Prozent Wachstum für dieses Jahr. 2019 könnten es 2,9 Prozent gewesen sein.

Der Geschäftsführer der Unternehmensberatung Roland Berger Global, Stefan Schaible wies auf die Umstellung auf Herausforderungen wie eine nachhaltige Rohstoffbasis, das CO2-Thema und die Digitalisierung hin. „Das muss man nun anpacken. Es geht darum, den Kapitalismus auf eine nachhaltige Basis zu stellen.“

Das 50. Jahrestreffen des Weltwirtschaftsforums in Davos wird auch von der schwedischen Klimaaktivistin Greta Thunberg mitgeprägt. Sie selbst wird auch dort vor Ort erwartet. „Wir verlangen“, schreibt Thunberg im Namen der weltweiten Klimabewegung im „Guardian“, dass alle Teilnehmer, ob Unternehmen, Organisationen oder Regierungen, „unverzüglich und vollständig“ alle Investitionen in fossile Brennstoffe beenden.

Tobias Schmidt Korrespondentenbüro Berlin
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