Hartford Lucky Luke zieht seine Colts schneller als sein Schatten - der Niedergang der Revolver-Firma selbst ging hingegen eher schleichend vonstatten. Am Montag wurde Gewissheit, was sich schon länger abgezeichnet hatte: Die traditionsreiche US-Waffenschmiede Colt ist pleite. Das mehr als 160 Jahre alte Unternehmen aus West Hartford im US-Bundesstaat Connecticut kann seine Gläubiger nicht mehr bezahlen und meldet Insolvenz an. Verschwindet eine der legendärsten Marken Amerikas in der Versenkung?

Am Anfang war die Pistole, dann folgte der Revolver - beziehungsweise Samuel Colt. Er sollte mit dem 1836 erhaltenen Patent für die drehbare Trommel, mit der statt nur eines Schusses gleich sechs Schüsse ohne Nachladen abgefeuert werden konnten, die Waffenindustrie revolutionieren. Der Name Colt wurde so zum Synonym für die Faust-Feuerwaffe mit der Patronen-Trommel. Später kamen weitere Klassiker wie das von John Browning entwickelte selbstladende Pistolenmodell 1911 oder das Sturmgewehr M16 hinzu.

In der Filmindustrie entwickelte sich die Marke dank Serien wie „Rauchende Colts“ zu einer US-Ikone, einer Art Coca-Cola der Waffenbranche - dabei waren Cowboys und Western-Kultur nur der Anfang. John Wayne und Clint Eastwood, aber auch Chuck Norris, Bruce Willis oder Tom Hanks haben das Label auf der Kino-Leinwand berühmt gemacht. „Der Mann mit dem goldenen Colt“ avancierte mit Roger Moore und dem jüngst verstorbenen Christopher Lee in den Hauptrollen zu einem Klassiker der James-Bond-Reihe.

Doch zerlegbare Goldpistolen und Wildwest-Folklore, bei der Helden lässig aus der Hüfte schießen und in den Sonnenuntergang reiten - das ist Hollywood-Fiktion. In der Realität dienen Colt-Produkte nicht der Unterhaltung, sondern dem Töten. Generationen von US-Soldaten vertrauten auf sie. Vom US-Bürgerkrieg über die beiden Weltkriege bis hin zu den Kriegen in Korea, Vietnam, Irak oder Afghanistan - Colts Waffen waren beim Blutvergießen stets dabei.

Nun könnte für das traditionsreiche Unternehmen aber selbst der letzte Schuss gefallen sein. Colt hat Gläubigerschutz nach „Chapter 11“ des US-Konkursgesetzes beantragt. Der Niedergang hatte sich abgezeichnet. Die Geschäfte laufen schon länger schlecht.

So ging Colt 2013 etwa ein wichtiger Vertrag der US-Armee verloren. Vom New Yorker Hedgefonds Sciens Capital übernommen und mit mehr als 350 Millionen Dollar Schulden (312 Mio Euro) aufgeladen, steht die Firma mit dem Rücken zur Wand.

Die Geldnöte waren zuletzt so groß, dass Colt Mitte Mai 10,9 Millionen Dollar (9,6 Mio Euro) bei Anleihehaltern nicht bezahlen konnte. Am Wochenende lief eine 30-tägige Gnadenfrist aus, um die Schulden doch noch zu begleichen. Dazu kam es jedoch nicht mehr.

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Das Unternehmen erklärte sich für zahlungsunfähig, nachdem eine Reihe von Investoren ein Umschuldungsangebot ablehnten, das mit Verlusten einhergegangen wäre. Diese Gläubiger spekulieren womöglich darauf, bei einer Versteigerung der Firmenwerte besser abzuschneiden.

Sollte es zur Auktion kommen, könnten Rivalen wie Smith & Wesson oder Sturm Ruger zugreifen. Auch die deutsche Waffenschmiede Heckler & Koch verfolge die Vorgänge mit Interesse, sagte Mehrheitseigentümer Andreas Heeschen der „Welt“. Der Unternehmer wolle aber wohl erst einmal abwarten, nicht zuletzt weil Colts Fabriken in der Branche als veraltet gälten. Noch heißt es auf der Colt-Website, Tradition mache den Unterschied. Darüber prangt der Slogan „The Legend Continues“ (die Legende dauert an). Das könnte sich rasch ändern.

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