Cloppenburg Mikroschadstoffe aus Arznei- und Röntgenkontrastmitteln im Grundwasser geben den Experten vom Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) Anlass zur Sorge. Vor allem in den Kreisen Emsland, Grafschaft Bentheim, Cloppenburg und Vechta seien Rückstände von Arzneimitteln aus der Human- und Tiermedizin im oberflächennahen Grundwasser gefunden worden, stellte Dr. Lars Germershausen (NLWKN) am Mittwoch beim Grundwassertag in Cloppenburg Ergebnisse einer mehrjährigen Untersuchung vor. Zwar gibt es (noch) keinen Grenzwert, aber einen empfohlenen Wert von 100 Nanogramm (0,1 Mikrogramm) pro Liter, der an elf Standorten im westlichen Niedersachsen überschritten wird. „In Weser-Ems gab es eine deutlich höhere Konzentration dieser Rückstände“, sagte Germershausen. Auffällig: Wo der Viehbesatz hoch ist, weisen 22,4 Prozent der Messstellen positive Befunde auf Arzneimittelrückstände auf.

An 31 Prozent der 287 landesweit untersuchten Grundwassermessstellen wurden Rückstände von Arznei- oder Röntgenkontrastmitteln nachgewiesen. Das Grundwasser wurde auf 37 Substanzen untersucht, 22 davon wurden nachgewiesen. Am häufigsten wurden die Wirkstoffe Sulfamidin (Antibiotikum) und Amidotrizoesäure (Röntgenkontrastmittel) nachgewiesen.

Antibiotika-Wirkstoffein höherer Konzentration in Regionen mit starkem Viehbesatz wurden u.a. in Bösel und Claveslage gefunden.

Dünge-Kompromiss soll im Juni stehen

Im Kampf gegen zu viel Ni­trat im Grundwasser wollen Bund und Länder sich in den kommenden Wochen auf schärfere Düngeregeln einigen und die Pläne Mitte Juni der EU vorstellen. Diesen Zeitplan bekräftigten Ländervertreter und Bundesa­grarministerin Julia Klöckner (CDU) am Mittwoch in Berlin. Ein Beschluss des Bundeskabinetts soll die Ernsthaftigkeit der Pläne verdeutlichen und eine weitere EU-Klage verhindern. Brüssel und Berlin liegen seit Jahren über Kreuz, weil an vielen Stellen Nitrat-Grenzwerte im Grundwasser überschritten werden. Das Nitrat stammt meistens aus Dünger.

NLWKN-Präsidentin Anne Rickmeyer wünscht sich, dass ihre Behörde diese Mikroschadstoffe routinemäßig untersucht. Das unterstützt auch Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (Sande, SPD). Die Frage müsse sein, wie man Arzneimittelrückstände im Grundwasser reduzieren kann – ob sie nun aus der Tier- oder der Humanmedizin herrührten. Auffällig: In der Nähe des Klinikums Oldenburg, an einer Messstelle in Kreyenbrück, ist die Konzentration von Rückständen von Röntgenkontrastmitteln höher. Eine kontinuierliche Steigerung der Konzentration von Arzneimittelrückständen habe man aber nicht feststellen können, sagte Hubertus Schültken (NLWKN), allerdings sei auch kein Abbauprozess zu beobachten. Cloppenburgs Landrat Johann Wimberg (CDU) wies darauf hin, dass die Trinkwasserversorgung durch die Befunde nicht beeinträchtigt sei. An den Messstellen seien Proben im oberflächennahen Grundwasser entnommen worden.

Weiteres Thema des Grundwassertags war die Nährstoffbelastung des Grundwassers. Umweltminister Lies beschwichtigte die Empörung der Landwirte, die durch die Düngeverordnung Strafzahlungen und eine unsinnige Kahlschlag-Reduzierung der Düngung befürchten. Er hoffe auf kluge Lösungen, die man der EU-Kommission vermitteln könne. Dazu zähle das eigenverantwortliche Stickstoffmanagement. Honoriert wird die nachgewiesene Stickstoffreduzierung des Gesamtbetriebs. Ein Nitrat-Monitoring helfe, die Entwicklung beim Nährstoffeintrag besser zu begleiten, sagte Cloppenburgs Landrat Wimberg.

Hans Begerow Leitung / Politik/Region
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