Uplengen Im Büro von Thomas Stracke (45) hängen interessante Bilder an der Wand. Sie zeigen gigantische Schaufelradbagger im Braunkohle-Tagebau. Oder Nassbagger und Spezialschiffe, die Gestein aus Flüssen oder Hafenbecken aufnehmen. Immer haben die Förder-Geräte – wie etwa Schaufeln mit bis zu 80 Kubikmetern Volumen – ein hohes Gewicht, und sie bewegen zudem schweres Material. Stets sorgen gut geschmierte Gleitlager für die Beweglichkeit etwa von Baggerschaufeln – und oft werden sie von Strackes Firma geliefert. Er ist Chef der Friesische Verschleisstechnik GmbH & Co KG aus Uplengen (Kreis Leer).

Bei diesem kleinen Spezialisten mit gerade 10 Mitarbeitern läuft derzeit ein ganz großes Projekt: die erste Lieferung nach Chile. Ein Bergbaukonzern hat ausgerechnet in Uplengen 26 Gleitlager für seine riesigen Förderanlagen bestellt. Die erste Lieferung wurde in dieser Woche per Luftfracht abgeschickt.

Option auf Mehrheit

„Das sind sie“, sagt Stracke stolz. Er zeigt mit Fertigungsleiter Markus Hosberg aus Leerhafe (Kreis Wittmund) in der neuen Produktionshalle im Gewerbegebiet an der A28 (Apen/Remels), um was es geht: mehrere der schweren, präzise geschmiedeten Nahtlos-Ringe aus edel glänzendem Mangan-Hartstahl („MangaDur“). Die schweren Teile, teils über 70 Kilo schwer, wurden hier nun aus Anlass des Chile-Events aufgereiht.

Die neue Halle, die neue Absatzregion Südamerika – das zeigt an, dass die kleine Friesische Verschleisstechnik größer werden könnte. Da steckt auch Stracke, der 49 Prozent der Anteile „plus eine Option auf zwei weitere“ hält, seinen Ehergeiz hinein. Seine Geschichte ist ebenso interessant wie die der Firma.

Der heute in Rostrup (Ammerland) lebende Maschinenbautechniker hatte nach seinem Weg durch Bad Zwischenahner Schulen eine Ausbildung zum Industriemechaniker beim einstigen AEG-Werk in Oldenburg absolviert. Über mehrere Firmen und Weiterbildungen zum Maschinenbautechniker und Orientierung Richtung Betriebstechnik heuerte er schließlich beim Wurstproduzenten Rügenwalder an, der gerade aus dem Ortszentrum in Bad Zwischenahns Industriepark umzog. Seinen idealen Job aber fand er bald beim Stahlwerk Augustfehn, das der Unternehmer Peter Finkernagel 1989 übernommen hatte und nun Perspektiven bekam.

Stracke war nun nicht nur für technische Belange zuständig, sondern vermehrt auch für kaufmännische. Und er hatte schon einen Arbeitsvertrag für eine Firma, die erst noch konkret entstehen sollte: die von Finkernagel gegründete Friesische Verschleisstechnik, eine Art Outsourcing aus dem Stahlwerk, mit neuen Entwicklungsoptionen und moderner Presstechnik zur Bearbeitung. Hitze von bis zu 1000 Grad wird eingesetzt.

„Hier war damals grüne Wiese“, sagt Stracke heute, im Gewerbegebiet an der A28. Ganz hinten rechts entstand 1996/97 ein interessanter Gewerbe-Bau eines niederländischen Architekten: Er ist farbenfroh und beschreibt einen Halbkreis. Betrachtet man ihn als Spiegelbild im Teich davor, wird daraus ein kompletter Kreis – wenn man so will, die Form eines Gleitlagers. Solche „Büchsen“ (je nach Region: Buchsen), zu denen meist Bolzen zur Aufhängung oder etwa Achsen gehören, sind ein zentrales Produkt der Firma. Sie passen prima etwa zu den schweren Eimern (Schaufeln) für Fördertechnik aus dem Stahlwerk Augustfehn.

Aber der spektakuläre Auftrag aus Chile hat konkret nichts damit zu tun. „Unsere Qualität hat sich in der Branche herumgesprochen“, erklärt sich Thomas Stracke, dass es zu dem Auftrag kam. Er selbst flog nach einer Konzern-Anfrage nach Chile, um die Firma und ihre Produkte vorzustellen. Sein Kernargument: die lange Lebensdauer der Verschleißteile aus Uplengen. Sie minimieren jene von Betriebswirten gefürchteten Zeiten, in denen Teile ausgetauscht werden müssen. „Wir sind relativ teuer, aber wir ermöglichen eben auch längere Einsatzzeiten“, erläutert Stracke ein Erfolgsrezept. Uplenger Produkte findet man auch etwa in Malaysia, Pakistan, Griechenland oder Polen: Qualität setze sich am Markt gegen Billiglöhne durch.

Aber die Zehn-Mann-Firma, die ihre Produkte aus angelieferten Flach- und Rundstählen kreiert, stößt mit der eigenen Bearbeitung von Auslandsmärkten an Grenzen. „Wir werden uns wohl einen Vertriebspartner vor Ort suchen“, kündigt Stracke an.

Neue Produktionshalle

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Zudem wird bald die neue Produktionshalle mit Maschinen bestückt, zur Erweiterung der Bolzenproduktion – auch für große Bolzen, die in die eigenen Hartstahl-Gleitlager passen, die der Physiker im Haus – quasi Verkörperung der Forschungs- und Entwicklungsabteilung – ständig weiterentwickelt. „Damit werden wir verstärkt zum Systemanbieter“, sagt Stracke, der vom Angestellten (mit der Übertragung von 49 Prozent von Peter Finkernagel) längst zum Unternehmer geworden ist.

Mit der kleinen Firma (Umsatz etwa zwei Millionen Euro) hat er wohl noch Großes vor. Dazu gehört auch Chile. „Wir sehen einiges Potenzial“, hofft Stracke nun auf Folgeaufträge aus Südamerika.

Rüdiger zu Klampen Redaktionsleitung / Wirtschaftsredaktion
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