Canberra /Hannover Boeings Probleme nehmen kein Ende: Inmitten der Krise um den Unglücksflieger 737 Max sorgt nun auch das Vorgängermodell 737 NG für größere Schwierigkeiten. Die australische Fluggesellschaft Qantas unterzieht nach der Entdeckung von Haarrissen an drei Maschinen dieses Typs mehrere baugleiche Flugzeuge einer Inspektion.

Die US-Luftfahrtaufsicht FAA hatte Anfang des Monats bereits eine dringliche Sonderprüfung angeordnet, woraufhin etliche 737 NG aus dem Betrieb genommen wurden. Doch womöglich hat das Problem eine größere Dimension als angenommen.

Am Donnerstag ging es zunächst nur um einen Riss: „Diese Maschine wurde zur Reparatur außer Dienst gestellt“, hatte ein Qantas-Sprecher gesagt. Am Freitag gab die Gesellschaft dann bekannt, dass sie bereits in drei Maschinen des Typs Boeing 737 NG Haarrisse entdeckt habe.

Das Risiko von Rissen besteht bei wichtigen Bauteilen zur Befestigung der Tragflächen am Flugzeugrumpf. Im Luftfahrt-Jargon werden die Teile „Pickle Forks“ genannt, weil sie an Gurkengabeln erinnern. Unter hoher Belastung können diese sich bei der 737 NG offenbar schneller als angenommen abnutzen.

Boeing erklärte zu dem Problem bislang nur, Kunden aktiv bei den Untersuchungen der 737 NG zu unterstützen. Allen Betreibern seien detaillierte Anweisungen gegeben worden, auch an erforderlichen Reparaturen beteilige man sich.

Die Australian Licensed Aircraft Engineers Association, ein Verband von Flugzeug-Ingenieuren, appellierte an die Fluggesellschaft, alle insgesamt 77 Maschinen dieses Typs am Boden zu lassen.

Ryanair, deren Flotte komplett aus 737-NG-Maschinen vom Typ 737-800 besteht, zeigte sich trotz der Nachrichten aus Australien entspannt. „Ryanair überprüft ihre Flugzeuge weiterhin in Übereinstimmung mit den Lufttüchtigkeitsanweisungen und erwartet keine Auswirkungen auf unsere Verbindungen oder Flottenverfügbarkeit“, teilte die Fluglinie mit.

Die Ferienflieger Tuifly (Hannover) und Sunexpress geben für ihre Flotten Entwarnung. „Wir führen alle Checks gemäß den Herstellervorgaben durch und haben einige Flugzeuge auch vorsorglich überprüft“, sagte ein Tui-Sprecher am Freitag. „Dabei haben wir keine Auffälligkeiten gefunden.“

Der Lufthansa-Ableger Sun­express, der wie Tuifly auf der Kurz- und Mittelstrecke auf diesen Flugzeugtyp setzt, musste 20 Jets überprüfen. Es habe aber keine Auffälligkeiten oder gar Strukturrisse gegeben, sagte eine Sprecherin.

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