Frankfurt /Main Der deutsche Goldschatz kehrt heim. Zusehends füllen sich die Tresore der Bundesbank in Frankfurt mit dem Edelmetall. Auf streng geheimen Wegen bringt die Notenbank seit 2013 Jahr für Jahr tonnenweise Gold über den Rhein und den Atlantik nach Deutschland, das aus historischen Gründen bisher bei der US-Notenbank Fed und der Banque de France aufbewahrt wurde.

647 Tonnen sollen bis zum Jahr 2020 verlagert werden. Dann will die Bundesbank mehr als die Hälfte des deutschen Goldbestandes von derzeit 3381 Tonnen (Stand Ende 2015) in heimischen Tresoren verwahren. Zuletzt waren es 1403 Tonnen (plus 210 gegenüber 2014). Wie viel Gold 2016 hinzukam, will die Bundesbank erst im Januar verraten.

„Wir liegen sehr gut im Zeitplan und sind uns sicher, dass wir unser Ziel vor 2020 erreichen werden“, sagt Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele. Zum Vergleich: Ende 2012 lagen nur 31 Prozent der deutschen Goldreserven oder 1036 Tonnen in Frankfurt. Auch das war schon vergleichsweise viel, wie ein Blick in die jüngere deutsche Geschichte zeigt: Bis zur deutschen Einheit hatte die Bundesbank nur 77 Tonnen Gold in Deutschland, was seinerzeit nur zwei Prozent des Gesamtbestandes entsprach.

„Wo ist das Gold der Deutschen?“ Mit seiner provokanten Frage in der „Süddeutschen Zeitung“ traf CSU-Urgestein Peter Gauweiler im Mai 2012 einen Nerv. Ist der Milliardenschatz im Ausland sicher? Immerhin ist er mit mehr als 270 000 Barren der zweitgrößte der Welt. Ist das Gold überhaupt vorhanden? Noch nie – so monierte der Bundesrechnungshof im Herbst 2012 – habe die Bundesbank die deutschen Goldreserven jenseits der Landesgrenzen „körperlich aufgenommen und auf Echtheit und Gewicht“ geprüft.

Seit vier Jahren bemüht sich die Bundesbank um Transparenz. Im Januar 2013 präsentierte die Notenbank in Frankfurt vor laufenden Kameras Gold zum Anfassen. Beim ersten Bürgerfest in der Bundesbankzentrale im Sommer 2014 durften Besucher Hand an das Edelmetall legen: Ein 12,5 Kilogramm schwerer Goldbarren konnte in einer Sicherheitsvitrine hochgehoben werden. 2015 dann listete die Notenbank erstmals auf mehr als 2300 Seiten öffentlich einsehbar jeden Barren auf.

Das deutsche Gold, das der Bundesrepublik gehört und von der Bundesbank verwaltet wird, wurde aus historischen Gründen zum Großteil im Ausland aufbewahrt. Dort, so die Erwartung, wäre es im Krisenfall sicher und schnell gegen liquide Währungen wie US-Dollar tauschbar.

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