Bremen Das ist bitter für die Bremer Landesbank (BLB): 2015 blieb unterm Strich nur ein Gewinn von 5 Millionen Euro – 84 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Grund ist die andauernde Krise im Schifffahrtsmarkt. Die BLB musste praktisch allein aus diesem Grund die Risikovorsorge für ihre Finanzierungen deutlich auf 341 (Vorjahr: 271) Millionen Euro aufstocken, wie der Vorstand um den Vorsitzenden Dr. Stephan-Andreas Kaulvers am Dienstag in Bremen erläuterte. „Wir haben ein wirklich herausforderndes Jahr hinter uns, mit Licht und Schatten“, sagte Kaulvers.

BLB-Eigentümer sind die NordLB (54,8 %), das Land Bremen (41,2) sowie der Sparkassenverband Niedersachsen (4). Sie bekommen wie angekündigt keine Dividende.

Er könne auch nicht versprechen, dass der Verbleib in der Gewinnzone 2016 gelingen werde, sagte Kaulvers mit Blick auf die Situation am Schifffahrtsmarkt. Ein Verlust sei „nicht auszuschließen“.

Risiko-Vorstand Heinrich Engelken berichtete, noch im ersten Halbjahr 2015 habe man „erfreuliche“ Tendenzen am Schiffsmarkt entdeckt. Zum Jahresende aber sei ein neuer Einbruch erfolgt, angesichts der Schwäche am Rohstoffmarkt, in China und im Welthandel. Engelken erwartet nach sieben Jahren Krise auch für „2016 noch keine nachhaltige Besserung“. Chancen gebe es für 2017.

Unbedingt vermeiden will man in Bremen den Eindruck, dass die BLB quasi nur eine Schifffahrtsbank sei. Diese Finanzierungen machten mit rund 6,5 Milliarden Euro weniger als ein Drittel des gesamten Kundenkreditvolumens von 22,8 Milliarden Euro (minus 0,7 Prozent) aus. Zugleich gebe es Wachstumstreiber wie Erneuerbare Energien, Leasing, Sozialimmobilien, Privat- und Firmenkunden sowie den Bereich „Financial Markets“. „Sehr positiv ist die Entwicklung in unserer Region, mit stabilem Wachstum der mittelständischen Wirtschaft“, sagte Kaulvers. Mit der Performance in den genannten Bereichen wurde die hohe Risikovorsorge im Schiffsbereich quasi „alimentiert“ (Kaulvers).

Die Wachstumssparten sollen ausgebaut werden, während die Schiffsfinanzierungen weiter zurückgefahren werden. Das Portfolio schrumpfte 2015 um 101 auf 648 Schiffe. Als Zielwert beim Volumen werden etwa 4,5 Milliarden Euro angepeilt.

Als Erfolg in 2015 verbuchte Kaulvers, dass die Bank mit diversen Maßnahmen aus eigener Kraft die „harte Kernkapitalquote“ von 8,02 Prozent auf 10,76 Prozent gesteigert habe. Diese Stärkung des Eigenkapitals habe hohe Priorität gehabt. Die Kapitalsituation sei nun „adäquat“.

Bei den Erträgen ergab sich folgendes Bild: Der Zinsüberschuss als wichtigste Ertragssäule ging wegen Sondereffekte um 5,5 Prozent auf 413 Millionen Euro zurück. Der Provisionsüberschuss sei mit 41 (Vorjahr: 43) Millionen Euro auf stabilem Niveau geblieben, hieß es. Freude bereitet hätten die Ergebnisse aus dem Einsatz von Finanzinstrumenten mit 31 (Vorjahr: minus 14) Millionen Euro sowie Absicherungsgeschäften „im Hedge Accounting“ mit 26 (11) Millionen Euro. Die Ergebnisse aus Finanzanlagen brachten erneut zehn Millionen Euro ein. Hier habe man wie bei der Vermögensverwaltung „die richtige Nase“ gehabt, sagte Vorstandsmitglied Dr. Guido Brune. Auch Kunden fragten immer häufiger Absicherungen – etwa für Agrarpreise oder Zinsen – nach.

Negativ wirkt in der Gewinn- und Verlustrechnung neben der Risikovorsorge der Verwaltungsaufwand von 193 (182) Mio. Euro. Hier verbergen sich (anders als 2014) Faktoren wie die Bankenabgabe.

Brune stellte als neues Projekt einen eigenen Investmentfonds vor. Er profitiert dem Vernehmen nach von der Bekanntheit des BLB-Chefvolkswirts Folker Hellmeyer.

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Vorstandsmitglied Björn Nullmeyer berichtete von einem starken Neugeschäft im Bereich Erneuerbare Energie – 892 Millionen Euro. Das Umfeld sei „weiter gut“. Allerdings drohe angesichts aktueller Entwürfe für das Gesetzespaket EEG die Gefahr, dass der Ausbau „ausgebremst“ werde. Hier bringe man sich aktiv in die Diskussion ein.

Die Bremer Landesbank Kreditanstalt Oldenburg – Girozentrale (so der komplette Name) steht ab Juni vor einem großen Umzug: Der Neubau am Domshof wird fertig.

Rüdiger zu Klampen Redaktionsleitung / Wirtschaftsredaktion
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