Bremen /Wilhelmshaven Es ist nicht immer selbstverständlich, dass Niedersachsen in Bremen ein Heimspiel haben. Doch bei der 24. Veranstaltung der Reihe „Hafen trifft Festland“, die am Donnerstagabend erstmals in Bremen, konkret bei Roland Umschlag, stattfand, war das der Fall. Im Mittelpunkt stand der Jade-Weser-Port in Wilhelmshaven und alle Beteiligten – egal ob Niedersachsen oder Bremer – hoben die positive Entwicklung des anfangs so schleppend gestarteten Tiefwasserhafens hervor.

„Der Hafen lebt“, sagte etwa Oliver Bergk, General Manager Vertrieb beim Terminalbetreiber Eurogate. In den vergangenen vier Jahren sei das Umschlagvolumen stets im zweistelligen Bereich gewachsen, 2018 um 18 Prozent.

Bergk verwies darauf, dass mit „Ocean Alliance“ und „2M“ zwei der drei globalen Reedereiallianzen Wilhelmshaven ansteuern würden und dass der Tiefwasserhafen tideunabhängig rund um die Uhr erreichbar sei. Er betonte, dass dort die größten Containerbrücken im Einsatz seien, geeignet für Schiffe mit 25 Containerreihen. „Wir sind gerüstet und freuen uns schon auf die nächste Generation von Schiffen“, sagte er.

Ausdrücklich betonte der Eurogate-Manager, dass das weitere Wachstum des Jade-Weser-Ports nicht auf Kosten von Bremerhaven und Hamburg erfolgen solle. „Wir wollen Hamburg keine Ladung wegnehmen“, sagte Bergk in Richtung der Hansestadt, die zuweilen etwas argwöhnisch nach Wilhelmshaven schaut. „Wir wollen mehr Ladung für Deutschland generieren“, sagte er. Als Konkurrenten machte Bergk stattdessen vor allem die Westhäfen, wie Rotterdam und Antwerpen, aus.

In die gleiche Kerbe schlug auch Ingo Meidinger, Vertriebsleiter bei der für Flächenvermarktung und Ansiedlungsmanagement zuständigen Container Terminal Wilhelmshaven Jade-Weser-Port-Marketing. „Das Ziel ist: Mehr Container für Deutschland“, sagte er.

Mit Blick auf den Jade-Weser-Port hob er hervor, dass sich auch im dazugehörigen Güterverkehrszentrum (GVZ) „mittlerweile einiges getan hat“. Der Tiefkühllogistik-Spezialist Nordfrost (Schortens) als Ansiedler der ersten Stunde habe bereits massiv ausgebaut und investiere weiter. Stolz sei man auf das im Mai offiziell eröffnete und von Imperial Logistics betriebene Verpackungszentrum für Fahrzeugteile des Volkswagen-Konzerns.

Die nächsten beiden Großprojekte im GVZ seien die Ansiedlung des chinesischen Logistikriesen „China Logistics“ auf einer Fläche von 20 Hektar – eine entsprechende Absichtserklärung wurde im Juni unterzeichnet – sowie das Projekt „Multi-User-Halle Atlantic One“. Das Bremer Unternehmen Peper & Söhne will beim Jade-Weser-Port auf 12.000 Quadratmetern Fläche eine flexibel nutzbare Halle, das heißt in kleineren Einheiten und auch für kürzere Zeiträume, errichten. „Ziel ist es, die Eintrittsbarrieren zu reduzieren“, so Meidinger. Bau und Eröffnung der Halle seien für 2020 geplant.

Dass Niedersachsen über den Jade-Weser-Port hinaus in Sachen Häfen noch mehr zu bieten hat, machte Timo A. Schön, Geschäftsführer der Hafenmarketinggesellschaft Seaports of Niedersachsen, deutlich. So verwies er darauf, dass Emden der drittgrößte Autohafen in Europa, Brake einer der größten Importhäfen für Futtermittel in Europa und Oldenburg seit kurzem offiziell Kreuzfahrt-Stadt sei.

Jörg Schürmeyer Redakteur / Wirtschaftsredaktion
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