Berlin Geschlossene Schulen und Kitas, Kantinen im Notbetrieb, leere Kneipen und Cafés: Das sich ausbreitende Coronavirus und die zunehmenden Einschränkungen im Alltag schlagen sich auch im Konsumverhalten nieder. Es wird wieder mehr zu Hause gekocht und gegessen. Dagegen werden Gaststätten als „öffentliche Wohnzimmer“ gemieden. Lebensmittel-Einzelhändler bestätigten diesen Trend am Samstag.

Bundesernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) appellierte an die Bürger, „ihre Vorräte mit Bedacht, Augenmaß und umsichtig aufzustocken – dann ist genügend für alle verfügbar, die Regale werden zeitnah wieder aufgefüllt“. Für Hamsterkäufe gebe es keinen Anlass. „Gerade mit Blick auf die jetzige Situation ist nicht nur die Solidarität der Verbraucher untereinander gefragt, sondern auch Maß und Mitte.“ Wichtig sei, nur das zu lagern, was auch normalerweise im Alltag genutzt und verbraucht werde.

Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) sagte der „Bild“-Zeitung nach einem Treffen mit Vertretern der Lebensmitteldiscounter: „Es besteht kein Grund zur Sorge, dass wir irgendwo Knappheiten haben. Es haben zwar alle bestätigt, dass sie logistische Schwierigkeiten haben; aber die Lager sind so bestückt, dass keiner Angst haben muss, dass etwas ausgeht.“

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Die Supermarktkette Rewe stellt seit Mittwoch eine deutlich erhöhte Nachfrage fest. Das betreffe vor allem Trockenlebensmittel wie Nudeln und Reis sowie Konserven und Drogerieartikel, teilte ein Sprecher des Konzerns mit. Es gebe aber kein Problem bei der Warenversorgung. Die Hersteller lieferten weiterhin und die Regale würden zügig nachgefüllt. „Es wäre nur sinnvoll, wenn die Leute, denen es möglich ist, den Einkauf auf die Woche verteilen, und nicht nur Freitagnachmittag und Samstagmorgen einkaufen.“ Dann hätten Mitarbeiter auch die Chance, die Regale schnell genug wieder zu befüllen.

Auch Branchenexperten beobachten, dass in Supermärkten anders und mehr eingekauft wird. Lieferdienste profitieren von der Lage ebenso. Auf Großkunden spezialisierte Lebensmittelhändler dagegen müssten mit deutlichen Einbußen rechnen, so die Fachleute. Die prekäre Situation für Hotels und Gaststätten schlage bei Großhändlern und Großmärkten durch.

Der Nachfragerückgang von Gastronomen, Hotels, Kitas und Kantinen sei deutlich spürbar, sagt Marcus Schwenke, Geschäftsführer des Großhandelsverbandes Foodservice. Einbrüche seien leicht zeitversetzt zum Gastgewerbe zu erwarten. Sollten Insolvenzen in der Gastronomiebranche zunehmen, könne dies dramatische Folgen für Großhändler haben – noch weit nach dem Pandemie-Ende, fürchtet der Verband, der Anbieter wie Metro und Selgros/Transgourmet vertritt.

Die Warnungen des Hotel- und Gaststättenverbandes Dehoga verheißen nichts Gutes. „Die Umsatzeinbußen erreichen ein nie gekanntes Ausmaß“, schlägt Dehoga-Präsident Guido Zöllick Alarm. Auch die private Nachfrage gehe spürbar zurück: „Inzwischen leidet die gesamte Branche in der gesamten Republik – ob Hotels, Restaurants, Caterer, Kneipen, Bars, Diskotheken und Clubs, ob Betriebs-, Stadion- und Verkehrsgastronomie“ – ob in der Stadt oder auf dem Land.

Folgt man Experten der Boston Consulting Group (BCG), können Lebensmittelhändler nicht nur in Deutschland „über mehrere Wochen“ mit einem anhaltenden Plus von 10 bis 15 Prozent rechnen. Zwei Haupttreiber gebe es: Zum einen lagerten Kunden Hygiene- und Gesundheitsprodukte ein. Andererseits mieden Menschen Restaurants und verbrächten mehr Zeit zu Hause. Auch das Onlinegeschäft sei zuletzt rasant gestiegen.

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