Berlin /Bremerhaven /Varel Jobs in Gefahr, Technologieführerschaft auf der Kippe: Die Windkraftbranche hat die Bundesregierung zu einer Kehrtwende bei der Windenergie auf See aufgefordert. Fachverbände forderten einen deutlich schnelleren Ausbau der Offshore-Windenergie. Die aktuellen politischen Rahmenbedingungen drohten die weitere positive Entwicklung der Offshore-Windenergie in Deutschland auszubremsen, kritisierten mehrere Fachverbände am Montag in Berlin. „Wir sind gut beraten, wenn wir dramatisch mehr tun“, sagte An­dreas Wellbrock, Geschäftsführer der Windenergie-Agentur WAB (Sitz: Bremerhaven).

Im vergangenen Jahr stieg die Stromproduktion aus Offshore-Wind nach Angaben der Branche bei weiterhin sinkenden Kosten um rund acht Prozent. 2018 gingen 136 Anlagen mit einer Leistung von 969 Megawatt neu ans Netz – 2017 waren es noch 1250 Megawatt. Insgesamt speisten 1305 Offshore-Anlagen mit einer Gesamtleistung von 6382 Megawatt ins Netz ein – das entspricht ungefähr der Leistung von sieben großen Kohle- oder Atomkraftwerken.

Die Branche befürchtet, dass der Ausbau der Offshore-Windenergie zunehmend ins Stocken gerät. Deswegen müsse es noch im ersten Quartal 2019 einen „Sonderbeitrag“ von 1500 Megawatt für die Installation neuer Kapazitäten bei der Offshore-Windenergie geben. Bis 2030 benötige die Offshore-Branche einen Ausbau auf mindestens 20 Gigawatt – bisher sind 15 Gigawatt geplant.

Laut Koalitionsvertrag sollen 65 Prozent der deutschen Stromerzeugung bis zum Jahr 2030 aus erneuerbaren Energieträgern gewonnen werden. Dies sei jedoch mit dem derzeit vorgesehenen Zubau nicht zu realisieren, so die Branche. 2018 trugen erneuerbare Energien nach Zahlen des Verbandes BDEW rund 35 Prozent zur Stromerzeugung bei, der Anteil aus Offshore-Windparks lag bei drei Prozent.

Ursache für den rückläufigen Ausbautrend bei Offshore-­Windparks sind politische Vorgaben und Regelungen. Mit einer Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes führte der Gesetzgeber Ausschreibungsverfahren für neue Windkraftanlagen ein und begrenzte gleichzeitig das Volumen. Als Hemmnis für den Ausbau der Windkraft auf See gilt vor allem der bisher unzureichende Anschluss an das Netz. Der Grund ist, dass der Netzausbau, also der Bau neuer Stromleitungen, nur schleppend vorankommt.

In vielen Ländern weltweit werde der Ausbau von Windkraft auf See vorangetrieben, sagte Wellbrock. Der Heimatmarkt aber breche wegen der Ausbau-Deckelung zunehmend weg. Dies bereite vor allem kleineren und mittleren Betrieben Sorge. Tausende der aktuell rund 26 000 Jobs in der Offshore-Windenergie seien gefährdet, die weltweite Technologieführerschaft deutscher Unternehmen stehe auf der Kippe.

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Der Linke-Energiepolitiker Lorenz Gösta Beutin sagte: „Wenn die Bundesregierung bei der Energiewende weiter kleckert statt klotzt, wird nach dem verfehlten 2020-Klimaziel auch das 2030-Klimaziel gerissen.“ Der Ausbau der Windkraft auf offener See sei eine unverzichtbare Säule der Energiewende und müsse darum entschieden vorangetrieben werden. Einer der großen Bremsklötze für die Energiewende im neuen Ausschreibungssystem sei die Deckelung der Ausbaumengen.

Wichtige Daten zum Ausbau der Windkraft auf See erarbeitet üblicherweise die Deutsche Windguard aus Varel (Geschäftsführer sind der Physiker Gerhard Gerdes und der Ingenieur Knud Rehfeldt).

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