Bad Zwischenahn Die Baumschul-Unternehmer im Nordwesten blicken schon einige Monate weit voraus – und erwarten günstige Marktverhältnisse zur Saisoneröffnung 2019. „Es liegen schon viele Reservierungen für den Frühjahrsversand vor“, sagte der Vorsitzende des Landesverbandes Weser-Ems im Bund deutscher Baumschulen (BdB), Renke zur Mühlen, am Donnerstag bei der Mitgliederversammlung in Kayhau-serfeld. Allgemein gebe es im Verhältnis zum Bedarf aber „zu wenig gute Pflanzenbestände“ – sowohl im Bereich Gartencenter und Friedhof, als auch für den Garten- und Landschaftsbau, der gut gefüllte Auftragsbücher habe.

54 Prozent mehr Wasser

Aus dieser Marktlage leitete zur Mühlen wohl auch die Option auf „in allen Bereichen bessere Preise“ ab. „Sie können erzielt werden und werden es auch“, sagte er vor mehr als 100 Mitgliedern und Gästen im Landgasthaus Bischoff. Der Weser-Ems-Vorsitzende verwies auf relativ hohe von der Zentralbank EZB tolerierte Teuerungsraten (aktuell 2,3 Prozent) als auch auf steigende Kosten. Einmalige Preisanhebungen der Baumschulen von drei bis fünf Prozent wie im zurückliegenden Jahr, bei zeitweilig ausverkaufter Ware (z.B. Containerpflanzen im Frühjahr oder Gewächse für den Garten- und Landschaftsbau) würden nicht reichen.

Die Kosten wurden 2018 auch von den extremen Witterungsverhältnissen getrieben. Zur Mühlen maß auf seinem Betrieb in Bad Zwischenahn den Wasserverbrauch – und errechnete ein Plus von 54 Prozent, sowie Energie-Mehraufwand. Es sei in der Branche 2018 auf „gutes Wassermanagement angekommen“, teils über Reservebehälter oder auch gezielter Wasserzuführung zu Wurzeln. Wegen der oft arbeitsintensiveren Bearbeitung extrem trockener Böden seien neben dem Wasseraufwand auch höhere Lohnkosten angefallen.

Auch wegen eines starken Jahres-Schlussspurts im Verkauf („ein bombiger Versand“) zog zur Mühlen eine insgesamt positive Jahresbilanz. Weiterhin warte man nach der extremen Trockenheit nun allerdings auf Regen. Die Erfahrung lehre, dass die Auffüllung des Wasserspiegels aber erst über Jahre gelinge.

Zur Mühlen zeigte einige Herausforderungen für die Baumschulen, die speziell im Ammerland einen Branchenschwerpunkt haben, auf. Dazu gehört: Viele, auch gute Betriebe gehen verloren, weil sich kein Nachfolger findet; Fachkräfte sind Mangelware; auch Saisonkräfte etwa aus Polen oder Rumänen sind schwierig zu finden; starke Konkurrenz um Flächen; Unsicherheit darüber, wie künftig Pflanzenschutz gehandhabt werden soll; Frachtraum für den Pflanzentransport fehlt; bei der Digitalisierung sei offen, ob sie ein Fluch oder ein Segen sein werde.

Besonders emotional befasste er sich mit bürokratischen Belastungen für die Betriebe. Tenor: „Wir wollen gute Pflanzen züchten und uns um unsere Kunden kümmern – aber nicht immer diesen Bürokratismus nähren.“ Er nannte als Beispiel neue, in Deutschland vergleichsweise zu strikt gehandhabte und zur Verunsicherung führende Auflagen im Datenschutz oder Verpackungsrecht oder auch die „58 Seiten“ an Papier, die ihm seine Bank zur Bestellung einer Girocard zugeschickt habe. Alles zusammengenommen stehe das den Betrieben „bis zum Hals“, wetterte der Vorsitzende.

Ein Wirtschaftsfaktor

Baumschulen und Gartenbau seien in der Region weiterhin „ein großer Wirtschaftsfaktor“, lobte der Präsident der Landwirtschaftskammer Niedersachsen (LWK), Gerhard Schwetje. Man trage damit auch zu einem vielfältigeren Landschaftsbild bei, als es das etwa in seiner Heimat im Braunschweiger Raum gebe. Schwetje stellte weitere Investitionen in die überbetriebliche Ausbildung am Standort Rostrup in Aussicht.

In Vorträgen ging es u.a. um Glyphosat (Dr. Thomas Brand/LWK), Digitalisierung im Gartenbau (Prof. Jens Mehmann/Jade Hochschule) und die schönsten britischen Gärten (Olaf Schachtschneider/Dötlingen). Zugegen war auch die „Deutsche Blumenfee“ 2018/19: Floristin Lea Ehlers aus Westerstede.

Rüdiger zu Klampen
Redaktionsleitung
Wirtschaftsredaktion

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