OLDENBURG Was macht eigentlich ein kleines oder mittelständisches Unternehmen, wenn es ein technisches Problem hat? Kein einfaches Unterfangen, für jede spezielle Fragestellung den passenden wissenschaftlichen Partner zu finden – für kleinere Betriebe ist das ohne Hilfe kaum zu schaffen.

Das hat auch die Oldenburger „nevis Beratung“ erkannt. Sie hat sich darauf spezialisiert, kleinen und mittelständischen Unternehmen „Schleichwege in die Elfenbeintürme“ von Forschung und Wissenschaft zu ebnen. Acht Gebietskörperschaften, darunter mehrere Landkreise und die Städte Delmenhorst, Oldenburg und Wilhelmshaven, engagieren sich dafür finanziell bei „nevis“.

Wissenschaftliches Arbeiten an den Hochschulen und Fachhochschulen läuft zwischen akademischer Forschungsfreiheit, staatlicher Forschungssteuerung und ökonomischen Verwertungsanreizen ab. Wieweit Wissenschaft und Forschung staatlichen oder wirtschaftlichen Interessen entgegenkommen sollen, wird dabei ganz unterschiedlich gehandhabt. Was für die einen notwendiger Ausbruch aus dem akademischen Elfenbeinturm ist, stellt für die anderen eine unakzeptable Kommerzialisierung des öffentlichen Gutes „Wissen“ dar. Hier in der Nordwest-Region hat man eine sehr pragmatische Haltung eingenommen: Wissenschaft soll nicht Selbstzweck sein, sondern möglichst direkt und ohne große Umwege Wissen und Technologie auch in die Wirtschaft transferieren.

Da ist es hilfreich, wenn es Orientierungshilfe gibt. Michaela Illmer, Frank Hinrichs und Dr. Rainer Henking, die die „nevis“-Geschäfte führen, hatten erkannt, wie groß auf diesem Gebiet der Bedarf an Beratung ist. Und wenn man dann noch weiß, wie und wo es für welche Bereiche öffentliche Fördermittel gibt, dann ist da ein beachtlicher Markt. Die früher zur Oldenburger Region GmbH gehörenden Ökonomen machten sich selbstständig und stießen damit offenbar in eine Lücke.

Bezahlt wird ihre Dienstleistung von den drei Städten und fünf Landkreisen. Die dadurch indirekte Unterstützung der heimischen Wirtschaft rechnet sich am Ende auch für die Kommunen und Kreise – durch neue Arbeitsplätze und höhere Gewerbesteuereinnahmen.

Das Pfund, mit dem die „nevis“-Akteure wuchern können, sind vor allem die exzellenten Kontakte nicht nur in die Hochschulen. „nevis“ hat seit der Gründung ein Netzwerk geschaffen, das öffentliche Einrichtungen, Verbände, Hochschulen, Forschungseinrichtungen und mehr als 600 beratende Unternehmen umfasst. Mit einer relativ hohen Trefferquote werden da auf Fragestellungen aus der Wirtschaft passende Antworten gefunden.

Ein paar Beispiele aus jüngerer Zeit: „nevis“ brachte eine Elektroinstallationsfirma aus dem Landkreis Diepholz und die Fachhochschule Osnabrück zusammen. So wurde eine Software entwickelt, mit deren Hilfe die Rauminstallationen für große Gebäude wie Licht, Heizung, Lüftung, Sonnenschutz vereinheitlicht werden können. Die Firma spart nun viel Planungsaufwand und viel Geld.

Ein Glas verarbeitender Betrieb im Ammerland fand mit Hilfe der FH Oldenburg eine neue Nutzungsmöglichkeit für Schaumglas. Das bei der Erhitzung von Altglas anfallende Material lässt sich perfekt als Untergrund im Straßenbau verwenden, es verhindert u. a. das Absacken durch Wasser in der Fahrbahn. Den Kontakt zur Hochschule hatte „nevis“ hergestellt.

Thomas Haselier / Archiv
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