Planica /Köln Eigentlich bevorzugt Severin Freund elektronische Beats. Am Freitag jedoch steht bei dem 26-Jährigen wieder schräge Blasmusik hoch im Kurs. „Planica, Planica, du Königin des Schnees“, dröhnt es dann bei jedem 215-m-Flug aus den Lautsprechern. Für Freund sollte das kein Problem sein, hat der 26-Jährige im slowenischen Wintersport-Mekka doch viel vor. Als dritter deutscher Skispringer kann der 26-Jährige den Gesamtweltcup gewinnen.

„Es ist noch nichts entschieden. Aber die Ausgangslage ist sehr gut, ganz klar“, sagt Freund, der drei Wochen nach WM-Gold seine überragende Saison krönen kann. 94 Punkte beträgt sein Vorsprung auf Peter Prevc, bei einem Sieg am Freitag (15.15 Uhr/ARD und Eurosport) wäre ihm die große Kristallkugel sicher. Beim „Einfliegen“ am Donnerstag setzte Lokalmatador Prevc allerdings mit starken 238,5 m ein Ausrufezeichen, Freund kam „nur“ auf 225,5 m. Immerhin: Im Notfall wartet am Sonntag eine weitere Chance.

So weit will Freund es aber erst gar nicht kommen lassen. Vier Siege in Folge hat der Niederbayer zuletzt gefeiert, auch auf dem umgebauten Riesen-Bakken im „Tal der Schanzen“ gilt der Skiflug-Weltmeister als Favorit. Und vielleicht fällt in Planica sogar der Weltrekord, der seit einem Monat bei 251,5 Metern steht, gehalten vom Norweger Anders Fannemel.

So oder so gibt es für Freund nur eine Devise: Attacke. „Beim Skifliegen kann man nicht verhalten springen oder abwarten“, sagt der Wahl-Münchner, der ganz nebenbei auch die kleine Kristallkugel als bester Skiflieger holen kann. Viel wertvoller ist allerdings die große. Aus deutscher Sicht gelang dieses Kunststück bislang nur Jens Weißflog (1984) und Martin Schmitt (1999 und 2000).

„Severin hat sich eine gute Ausgangsposition geschaffen, um in Planica sein großes Ziel aus eigener Kraft erreichen zu können. Aber es wird ein enges und hochkarätiges Rennen“, sagt Werner Schuster. Nur zu gut erinnert sich der Bundestrainer noch an die vergangene Saison. Auch damals duellierte sich Freund mit Prevc, es ging um Rang zwei im Gesamtweltcup hinter dem Polen Kamil Stoch. Damals wuchs der Slowene über sich hinaus und zog in letzter Sekunde vorbei.

Nun aber hat Freund deutlich bessere Karten. Nach Gold bei der Skiflug-WM 2014 und der nordischen WM 2015 wäre es der dritte von fünf großen Titeln, die es im Skispringen zu holen gibt. Nur Einzel-Gold bei Olympia und der Tournee-Triumph würden dann in der Sammlung noch fehlen. Alle fünf Titel hat bislang nur der Finne Matti Nykänen gewonnen, sieben weitere Springer stehen bei vier großen Siegen, darunter Weißflog und Hans-Georg Aschenbach.

So weit will Freund aber noch nicht denken. Ein Sieg am Freitag - es wäre der fünfte in Folge und die Einstellung des deutschen Rekords von Sven Hannawald - würde die Erfüllung eines Traumes bedeuten. Und dafür würde Severin Freund notfalls auch die schräge „Planica-Hymne“ in Kauf nehmen.

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