Pyeongchang Selbst die sonst eher zurückhaltende Laura Dahlmeier verlor sich angesichts ihrer fast schon unheimlichen Erfolgsserie in Superlativen. „Phänomenal, wahnsinnig, traumhaft, gigantisch, ein hammergeiles Rennen“, sagte die Biathlon-Dominatorin nach ihrem 16. Weltcuperfolg. Mit traumwandlerischer Sicherheit versenkte die 23-Jährige beim Weltcup in Pyeongchang in der Verfolgung alle 20 Schuss und sicherte sich am Samstag auf den Olympia-Strecken von 2018 überlegen ihren fünften Saisonsieg in Serie. „Es ist der Wahnsinn, dass es hier so gut weiterläuft. Es war das perfekte Rennen“, sagte Dahlmeier, die zuvor schon den Sprint bei der Olympia-Generalprobe für sich entschieden hatte.

Nach ihrer historischen WM in Hochfilzen, wo sie sich vor zwei Wochen zur ersten Fünffach-Weltmeisterin der Biathlon-Geschichte gekrönt hatte, ist die 23-Jährige auf dem Weg zum ersten Gewinn des Gesamtweltcups kaum noch zu stoppen. Sie baute ihren Vorsprung auf die diesmal achtplatzierte Titelverteidigerin Gabriela Koukalova aus Tschechien auf 112 Punkte aus. Und immer die Frage nach dem Gesamtweltcup? „Ja, die geht mir auf die Nerven“, sagte sie lachend vor der ARD-Kamera. Aber auch sie weiß: bei den noch ausstehenden fünf Einzelrennen muss schon viel passieren, damit sie das Gelbe Trikot noch verliert: „Ich komme dem Ziel immer näher.“

Beim zwölften Saisonsieg von Dominator Martin Fourcade, der sich bereits am Freitag mit Rang drei im Sprint als erster Skijäger zum sechsten Mal in Serie den Gesamtweltcup gesichert hatte, lief Sprint-Weltmeister Benedikt Doll als bester Deutscher auf Rang acht. Erik Lesser, der im Sprint noch Fünfter geworden war, als 13. ins Ziel. Arnd Peiffer verbesserte sich vom 31. auf den 21. Platz. Der Sprint-13. Roman Rees lief auf Position 23, Florian Graf wurde 29.

Wie sehr Dahlmeier derzeit die Szenerie dominiert, zeigt der Vorsprung: Die zweitplatzierte Finnin Kaisa Mäkäräinen kam 1:12,6 Minuten nach ihr ins Ziel, gefolgt von Anais Bescond aus Frankreich (1/+ 1:18,9 Minuten). So hatte Dahlmeier sogar erstmals die Muße, nach ihrem letzten Schuss in der Manier von Martin Fourcade oder einst Emil Hegle Svendsen sich zu Trainer Gerald Hönig umzudrehen und jubelnd die Arme nach oben zu reißen. Auf der Schlussrunde klatschte sie an der Strecke mit Betreuern ab.

„Es ist unheimlich cool, wenn man mal auf der Strecke abschlagen und den Trainern und Betreuern danke sagen kann. Man hat ja nicht so oft die Zeit, die Schlussrunde zu genießen“, sagte Dahlmeier. Im Moment ihres Triumphes dachte Dahlmeier an für sie ganz besondere Menschen. „Meinen Sieg möchte ich den buddhistischen Mönchen widmen, ganz besonders den tibetischen Exilmönchen. Ich habe da ein Patenkind und für euch ist heute der Sieg“, sagte die passionierte Bergsteigerin. Schon nach ihrer erfolgreichen WM in Oslo 2016 hatte sie ein Teil ihres WM-Preisgeldes nach Indien an die Exilmönche gespendet.

Dahlmeier schreibt sich zudem weiter in die Rekordlisten ein. Nachdem sie als Erste im Biathlon-Zirkus elf WM-Medaillen in Serie gewann und erste Fünffach-Weltmeisterin der Historie wurde, ist sie nun auch die zweite Skijägerin nach Magdalena Forsberg mit fünf Weltcupsiegen nacheinander. Die Schwedin schaffte sogar acht Erfolge am Stück. Aber auch das scheint möglich.

Franziska Hildebrand vergab mit einem Fehler beim letzten Schießen den zweiten deutschen Doppel-Erfolg des Winters. Sie musste sich am Ende mit Rang sechs begnügen. „Ich wusste, dass mehr drin war, dann ist mir doch der Fehler passiert. Am Ende wusste ich, dass es auf der Schlussrunde schwer wird“, sagte Hildebrand. Maren Hammerschmidt wurde 29., Denise Herrmann 33. und Nadine Horchler 42.

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